Wir blicken auf ein insgesamt gesehen erfolgreiches Geschäftsjahr mit einem Umsatzsprung um fast 22 Milliarden Euro auf erstmals mehr als 70 Milliarden Euro zurück. Ein großer strategischer Schritt war die Übernahme sämtlicher Anteile an den früheren Gemeinschaftsunternehmen für Hausgeräte sowie Lenksysteme für Kraftfahrzeuge. Auch operativ konnten wir weitere Fortschritte trotz eines nur schwachen konjunkturellen Umfelds erzielen. Ein wichtiger Treiber waren innovative und energieeffiziente Produkte. Darüber hinaus nahmen wir weitere strategische Weichenstellungen vor. Dazu gehören der Erwerb einer zukunftsweisenden Batterietechnologie für Elektrofahrzeuge und die Gründung neuer Geschäftseinheiten, um uns noch konsequenter an den Kunden auszurichten. Außerdem unternehmen wir erhebliche Anstrengungen, einer der führenden Anbieter für das Internet der Dinge zu werden. Um uns stärker auf für Bosch wichtige Zukunftsfelder zu konzentrieren, trennten wir uns von einzelnen Bereichen. Im Geschäftsjahr 2016 wollen wir unsere Strategie in Richtung Energieeffizienz, Elektrifizierung, Automatisierung, aufstrebende Märkte und Vernetzung fortsetzen und rechnen trotz einer nur moderat expandierenden Weltwirtschaft mit weiterem Wachstum.

Unternehmensbereiche der Bosch-Gruppe 

 

 

Gesellschafter der Robert Bosch GmbH

 

 



Grundlagen des Konzerns

 

Die Unternehmensgruppe


Die Bosch-Gruppe ist global aufgestellt und erzielt 47 % ihres Umsatzes außerhalb Europas. Sie umfasst rund 440 Tochter- und Regionalgesellschaften in rund 60 Ländern. Inklusive ihrer Handels- und Dienstleistungspartner ist sie in etwa 150 Ländern vertreten. Muttergesellschaft ist die Robert Bosch GmbH mit Sitz in Stuttgart. Sie ging aus der „Werkstätte für Feinmechanik und Elektronik“ hervor, die 1886 in Stuttgart von Robert Bosch (1861–1942) gegründet wurde. Im Jahr 1917 änderte die Gesellschaft ihre Rechtsform vorübergehend in eine Aktiengesellschaft, die 1937 in die Robert Bosch GmbH umgewandelt wurde. Seit 1964 hält die Robert Bosch Stiftung GmbH die Mehrheit der Kapitalanteile, aktuell rund 92 %.

Die gemeinnützige Robert Bosch Stiftung GmbH hat jedoch keinen Einfluss auf die strategische und geschäftliche Entwicklung der Bosch-Gruppe. Die entsprechenden Stimmrechte übt die Robert Bosch Industrietreuhand KG aus, die über die unternehmerische Gesellschafterfunktion verfügt. Die restlichen Anteile und Stimmrechte liegen im Wesentlichen bei den Nachkommen des Firmengründers. Diese gesellschaftsrechtliche Struktur sichert die unternehmerische Unabhängigkeit der Bosch-Gruppe. Sie ermöglicht es dem Unternehmen, langfristig zu planen und in bedeutende Vorleistungen für die Zukunft zu investieren.

 

Organisation und Wettbewerbsumfeld 

Die Bosch-Gruppe mit ihren rund 374 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verfügt über ein breites Tätigkeitsspektrum in unterschiedlichen Branchen. Sie gliedert sich aktuell in die vier Unternehmensbereiche Mobility Solutions, Industrial Technology, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology, die den Berichtssegmenten entsprechen. Zum Jahresanfang 2016 neu geschaffen wurde im Unternehmensbereich Energy and Building Technology der Geschäftsbereich Bosch Global Service Solutions. Die vier Unternehmensbereiche gehören zu den jeweils führenden Anbietern in ihren Tätigkeitsfeldern. Aufgrund der diversifizierten Struktur der Bosch-Gruppe unterscheidet sich das Markt- und Wettbewerbsumfeld erheblich.

Bei Mobility Solutions steht die Bosch-Gruppe überwiegend in Konkurrenz zu wenigen großen Anbietern und arbeitet mit den Automobilherstellern, zunehmend aber auch mit Anbietern von Mobilitätslösungen als Kunden zusammen. Bei Industrial Technology operieren die Geschäftsbereiche Drive and Control Technology und Packaging Technology als Zulieferer beziehungsweise als Anlagen- und Systemanbieter in eher zergliederten Märkten mit vielen Wettbewerbern und Kunden. Im Unternehmensbereich Consumer Goods richten sich die Geschäftsbereiche mit ihren Produkten überwiegend direkt an den Endkunden. Sie stehen in starker Konkurrenz zu globalen wie auch regionalen Anbietern. Bei Energy and Building Technology setzt sich der Wettbewerb aus wenigen internationalen Anbietern sowie einer Vielzahl regionaler Anbieter zusammen. In allen vier Unternehmensbereichen erwarten wir eine wachsende Konkurrenz aus den Schwellenländern und neue Wettbewerber unter anderem aus der IT- und Softwarebranche aufgrund der zunehmenden Vernetzung der Produkte.

 

Bericht zur Unternehmensführung 


Die Geschäftsführung legt gemeinsam die Strategie für das Gesamtunternehmen fest und führt es. Ihre Zuständigkeiten ergeben sich aus dem Geschäftsverteilungsplan. Der Aufsichtsrat der Robert Bosch GmbH bestellt, überwacht und berät die Geschäftsführung. Bei der Besetzung des Gremiums unterliegt die Robert Bosch GmbH dem deutschen Mitbestimmungsgesetz. Der Aufsichtsrat besteht aufgrund der Größe des Unternehmens aus 20 Mitgliedern. Zehn Mitglieder werden durch die stimmberechtigten Gesellschafter bestimmt. Die anderen zehn Mitglieder bestellt die Arbeitnehmerseite. Die Robert Bosch Industrietreuhand KG hat als geschäftsführender Gesellschafter die testamentarische Aufgabe des Firmengründers Robert Bosch, für den langfristigen Bestand des Unternehmens und speziell für die finanzielle Unabhängigkeit zu sorgen. Dadurch sollen die Selbstständigkeit und Aktionsfähigkeit jederzeit gewahrt werden.

Der Aufsichtsrat der Robert Bosch GmbH hat aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland Zielgrößen für den Anteil weiblicher Mitglieder im Aufsichtsrat und in der Geschäftsführung mit Zieldatum 01.01.2017 festgelegt. Sie entsprechen den aktuellen Verhältnissen eines Anteils von 20 % im Aufsichtsrat und sehen bis 2017 kein weibliches Mitglied in der Geschäftsführung vor, da vorerst keine personellen Veränderungen geplant sind. Das Ziel im Aufsichtsrat gilt sowohl für die Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmerseite.

Erklärtes Ziel ist es, konsequent die Anstrengungen fortzusetzen und einen Talentpool weiblicher Führungskräfte für die obersten Führungsebenen zu schaffen. So soll ihr Anteil auf der Ebene unterhalb der Geschäftsführung von 2,9 % bei der Beschlussfassung im Juni 2015 auf 5 % bis Anfang 2017 steigen, auf der zweiten Führungsebene von 6,8 % auf 8 %. Zum 01.01.2016 sind diese Werte bereits auf 4,2 % beziehungsweise 8,3 % gestiegen. Außerdem haben wir das Ziel, den Anteil weiblicher Führungskräfte über alle Führungsebenen im Konzern weltweit auf 20 % bis 2020 zu erhöhen. Er stieg weiter auf aktuell 13,6 %, nach einem Anstieg auf 12,9 % im Vorjahr.

Die Unternehmensbereiche


Unternehmensbereich Mobility Solutions


Bosch ist als einer der weltweit größten Automobilzulieferer in vielen Teilgebieten tätig. Der Unternehmensbereich umfasst folgende Geschäftsbereiche:


Gasoline Systems

Der Geschäftsbereich Gasoline Systems entwickelt und produziert innovative Technologien für Verbrennungsmotoren auf Basis von Benzin, Gas oder Ethanol sowie Systeme und Komponenten für Hybrid- und Elektrofahrzeuge und für Motorräder. Dazu gehören Motorsteuerung, Kraftstoffversorgung, Kraftstoffinjektoren, Zündung, Steckverbindungen, elektrische Antriebsmaschinen, Leistungselektronik und Batteriesysteme sowie auch Getriebetechnik. Immer wichtiger wird die Kompetenz als Systemanbieter, sowohl bei der Steuerung des Verbrennungsmotors und des Elektroantriebs als auch in der Kombination der Antriebsarten Hybrid und Plug-in-Hybrid.
 

Diesel Systems 

Die Dieselsparte von Bosch ist Systemanbieter für zentrale Komponenten des Antriebs. Der Geschäftsbereich bietet ein umfassendes Programm an energieeffizienten und umweltschonenden Dieseleinspritzsystemen für Personenwagen und Nutzfahrzeuge aller Art bis hin zu Industrieaggregaten, die der Stromerzeugung dienen. Schwerpunkte sind vor allem das Common-Rail-System, bestehend aus einer Hochdruckeinspritzpumpe bis 2 700 bar, der Verteilerleiste (Rail) und verschiedenen Injektoren (Magnet und Piezo). Hinzu kommen Systeme zum Luftmanagement wie Luftmassenmesser, elektronische Dieselregelung sowie Abgasmanagementsysteme wie die Denoxtronic. Daneben bietet der Bereich auch Lösungen für Diesel-Hybridfahrzeuge an. Die beiden Geschäftsbereiche Gasoline Systems und Diesel Systems arbeiten vor allem im Bereich der Motorsteuerung, der Sensorsysteme und der Elektrifizierung des Antriebsstrangs eng zusammen.

Zum Geschäftsbereich Diesel Systems gehört das paritätische Gemeinschaftsunternehmen Bosch Mahle Turbo Systems GmbH & Co. KG, Stuttgart. Es wird nach der Equity-Methode in den Konzernabschluss einbezogen, also mit dem anteiligen Eigenkapital in der Bilanz und dem anteiligen Nachsteuerergebnis im operativen Ergebnis. Das Gemeinschaftsunternehmen entwickelt und produziert Abgasturbolader sowohl für Benzin- als auch für Dieselmotoren von Personenwagen, Nutzfahrzeugen und Industrieaggregaten zur Stromerzeugung. 

 
Chassis Systems Control

Der Geschäftsbereich Chassis Systems Control entwickelt und produziert innovative Komponenten, Funktionen und Systeme mit dem Ziel, die Sicherheit und den Komfort beim Fahren weiter zu erhöhen. Dazu zählen Produkte zur Bremsbetätigung wie Hauptbremszylinder und Bremskraftverstärker einschließlich Bremsassistenten. Ein bedeutendes Tätigkeitsfeld bilden die elektronischen Bremsregelsysteme ABS, ASR und ESP®. Hinzu kommen Sensoren wie Drehzahl-, Lenkwinkel- und Drehratensensoren sowie Elektronik für den Insassen- und Fußgängerschutz wie Airbag-Steuergeräte und Crashsensoren. Ein stark wachsendes Feld sind Fahrerassistenzsysteme basierend auf Ultraschall-, Radar- und Videosensorik, auch als Basis für automatisiertes Fahren. Das Programm schließt zudem Produkte wie die radargestützte Geschwindigkeitsregelung ACC (Adaptive Cruise Control) sowie vorausschauende Notbremssysteme und Spurassistenzsysteme ein. 

 
Electrical Drives

Der Geschäftsbereich Electrical Drives bietet eine Vielzahl elektromechanischer Komponenten bis hin zu ganzen Systemen für Karosserieanwendungen an. Dies schließt innovative und energieeffiziente Stellantriebe sowie Komponenten und Systeme für motorseitiges Thermomanagement, Innenraumklimatisierung und Scheibenreinigung ein. Das Angebot erstreckt sich auf Stellantriebe für Fensterheber, Sitzverstellung und Schiebedach, Gebläsemodule und Antriebe zur Motorkühlung, Pumpen und Ventile für Kühlsysteme, Front- und Heckwischanlagen, Wischblätter und Motoren für elektrische Lenkungen, Pumpen bei ABS, ESP® sowie für eBikes und eScooter, also elektrisch betriebene Fahrräder beziehungsweise Motorroller.

 
Starter Motors and Generators 

Der Bereich Starter Motors and Generators entwickelt und produziert Starter und Generatoren für Personenwagen und Nutzfahrzeuge. Das Erzeugnisprogramm umfasst Starter für Benzin- und Dieselmotoren, besonders auch für den Einsatz in kraftstoffsparenden und somit CO2-reduzierenden Start-Stopp-Systemen. Die Generatoren gewährleisten die sichere Energieversorgung des Bordnetzes und sorgen durch einen hohen Wirkungsgrad für eine Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs. Eine Lücke zwischen Start-Stopp-Systemen und Hybridantrieben schließt das Boost-Recuperation-System (BRS) auf Basis hocheffizienter Generatoren. Es kann Bremsenergie zurückgewinnen und gleichzeitig den Verbrennungsmotor mit zusätzlicher Leistung unterstützen. Wir haben 2015 bekannt gegeben, dass wir den Geschäftsbereich ausgliedern und einen Käufer oder Partner suchen wollen.

 
Car Multimedia

Der Geschäftsbereich Car Multimedia trägt mit intelligenten Lösungen dazu bei, die Integration von Entertainment, Navigation, Telematik und Fahrerassistenz im Fahrzeug flexibler und leistungsfähiger sowie möglichst komfortabel bedienbar zu gestalten. Die Infotainmentarchitekturen in Fahrzeugen entwickeln sich immer mehr zu vernetzten Systemen – unter wachsender Einbeziehung des Internets. Das Portfolio umfasst weltweit einsetzbare Fahrerinformations- und Infotainmentsysteme, frei programmierbare Anzeigesysteme oder auch Head-up-Displays. Zudem bietet der Bereich Kommunikations- und Entertainmentsysteme sowohl für Nutzfahrzeuge und Reisebusse als auch für Motorräder an.

Automotive Electronics

Automotive Electronics entwickelt und fertigt Mikroelektronik. Das Produktspektrum reicht von Bauelementen wie Halbleitern, Sensoren und MEMS (mikroelektromechanische Systeme) über Steuergeräte – unter anderem für Karosserieelektronik, Bremsregelsysteme und Motorsteuerung sowie deren Auftragsfertigung – bis hin zu nicht-automobilen Anwendungen wie beispielsweise Sensoren für die Unterhaltungselektronik. Die Bosch Connected Devices and Solutions GmbH, Reutlingen, bietet zudem Sensoren, Software und Komplettlösungen für das Internet der Dinge an. Zu Automotive Electronics gehört darüber hinaus der Bereich eBike-Systems, der auf dem Gebiet der Antriebs- und Steuerungseinheiten für Fahrräder mit Elektromotor einer der führenden Anbieter in Europa ist.

 
Automotive Aftermarket

Der Geschäftsbereich Automotive Aftermarket bietet Handel und Werkstätten weltweit Diagnose- und Werkstatttechnik sowie ein umfassendes Ersatzteilsortiment für Kraftfahrzeuge und Nutzfahrzeuge – vom Neuteil über instandgesetzte Austauschteile bis hin zur Reparaturlösung. Das Produktportfolio besteht aus Erzeugnissen der Bosch-Erstausrüstung sowie aus eigenentwickelten und eigengefertigten Produkten und Dienstleistungen für den Ersatzteilmarkt. Darüber hinaus gehören unter der Bezeichnung „Automotive Service Solutions“ Prüf- und Werkstatttechnik, Software für Diagnose und Servicetraining sowie technische Informationen und Serviceleistungen dazu. Der Geschäftsbereich ist ebenfalls verantwortlich für die Werkstattkonzepte Bosch Car Service und AutoCrew, zwei unabhängige Werkstattketten mit weltweit rund 17 700 beziehungsweise mehr als 1 000 Betrieben. Zudem bietet der Bereich neue Telematik-Dienstleistungen für Flottenbetreiber, Leasinggesellschaften und Versicherungen mit detaillierten Echtzeitinformationen für die Optimierung der Betriebskosten der Flotten an. So lassen sich zum Beispiel durch vorausschauende Reparaturen Ausfälle im laufenden Betrieb vermeiden.

 

Automotive Steering

Seit der Übernahme sämtlicher Anteile Ende Januar 2015 wird das frühere Gemeinschaftsunternehmen ZF Lenksysteme GmbH, Schwäbisch Gmünd, inklusive seiner Tochtergesellschaften vollkonsolidiert und in den Unternehmensbereich Mobility Solutions integriert. Das Unternehmen firmiert inzwischen unter dem Namen Robert Bosch Automotive Steering GmbH. In den Konzernabschluss 2014 wurde das Unternehmen noch nach der Equity-Methode einbezogen. Es bildet jetzt den Geschäftsbereich Automotive Steering. Dieser produziert und vertreibt Lenkungstechnik für Personenwagen und Nutzfahrzeuge. Neben kompletten Lenksystemen vom Kleinwagen bis zum Nutzfahrzeug, die auch Lenksäulen und Lenkungspumpen einschließen, sind Komponenten wie Ventile, Kreuzgelenke und Lenkwellen Bestandteile des Produktprogramms. Das Hauptarbeitsfeld sind elektrische Lenkungen. Sie sind für Fahrerassistenzsysteme sowie in Zukunft bei elektrifizierten und automatisierten Fahrzeugen von großer Bedeutung.

 

Weitere Aktivitäten

Mitte 2015 wurde die geschäftsbereichsübergreifende Einheit Two-Wheeler and Powersports geschaffen, die auf die weltweiten Ressourcen im Unternehmensbereich Mobility Solutions zurückgreifen kann. Bosch bietet für Zweiräder Sicherheitssysteme wie ABS und Motorrad-Stabilitätskontrolle (MSC), verbrauchsarme Antriebstechnik sowie Anzeigeinstrumente an. Zudem startete Anfang 2016 nach einem ähnlichen Konzept innerhalb des Unternehmensbereichs Mobility Solutions eine eigene Organisationseinheit Commercial Vehicles and Offroad Applications für das Nutzfahrzeug- und Offroadgeschäft mit Verantwortung für Systementwicklung, Produktmanagement und Vertrieb.

Die Bosch-Gesellschaften der ETAS-Gruppe liefern innovative Lösungen für „eingebettete“ Softwaresysteme, die in der Automobilindustrie und auch anderen Branchen zum Einsatz kommen. Der Schwerpunkt der ETAS-Tochter escrypt GmbH Embedded Security, Bochum, ist dabei die Datensicherheit. Hierfür bietet diese bereits seit mehr als zehn Jahren entsprechende Software, Beratung und Schulungsmaßnahmen für unterschiedlichste Branchen.

Die Tochtergesellschaft Bosch Engineering GmbH, Abstatt, entwickelt für ein breites Kundenspektrum individuelle Lösungen auf Basis erprobter Großserientechnik wie beispielsweise für Sportwagen und nicht-straßengebundene Fahrzeuge (Off-Highway-Fahrzeuge), aber auch für Schienenfahrzeuge, maritime Anwendungen und Industriemotoren. Dort sind zudem die Bosch-Aktivitäten im Motorsport angesiedelt.

 

Unternehmensbereich Industrial Technology

 

In diesem Unternehmensbereich sind zwei Geschäftsbereiche zusammengefasst: 

 

Drive and Control Technology

Die Tochtergesellschaft Bosch Rexroth AG, Lohr, ist Spezialist für Antriebs- und Steuerungstechnologie und zählt hier zu den weltweit führenden Anbietern. Das Spektrum umfasst maßgeschneiderte Lösungen zum Antreiben, Steuern und Bewegen für die Bereiche Fabrikautomation, Anlagenbau und Engineering sowie mobile Arbeitsmaschinen und Nutzfahrzeuge. Als Systempartner, Dienstleister und Zulieferer ist der Geschäftsbereich in zahlreichen Branchen und mehr als 80 Ländern aktiv. Darüber hinaus bietet er ein umfangreiches Serviceangebot und setzt internationale Großprojekte um. 

 

Packaging Technology 

Der Geschäftsbereich zählt zu den weltweit führenden Anbietern von Prozess- und Verpackungslösungen für die Pharma-, Nahrungsmittel- und Süßwarenindustrie sowie ausgewählte Segmente der Getränkeindustrie. Das Angebot umfasst Einzelmodule, kundenspezifische Systeme, Komplettlösungen und ein umfassendes Serviceportfolio. Zu diesem Geschäftsbereich gehört auch der Bosch-interne Systemanbieter für Montageanlagen und Sondermaschinen ATMO, der flexible, skalierbare Montagekonzepte und maßgeschneiderte Lösungen im Bereich der Prüf- und Abgleichtechnik entwickelt und erstellt. 


Unternehmensbereich Consumer Goods

 

Zum Unternehmensbereich gehören zwei Geschäftsbereiche: 

 

Power Tools

Bosch ist mit Marken wie Bosch, Dremel und Skil einer der weltweit führenden Anbieter von Elektrowerkzeugen und Zubehör. Der Geschäftsbereich Power Tools verfügt über ein umfassendes Produktprogramm, das sich an professionelle Nutzer sowie an Heimwerker richtet. Es umfasst neben Elektrowerkzeugen wie Bohrhämmern, Schlagschraubern oder Stichsägen auch Gartengeräte wie Rasenmäher, Heckenscheren oder Hochdruckreiniger. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf leistungsstarken und komfortablen Akkugeräten sowie zunehmend auf internetfähigen Geräten und Dienstleistungen. Darüber hinaus bietet der Bereich innovative, digitale Laser-Messwerkzeuge für den Profi- und den Heimwerkerbedarf an. Zum Zubehörprogramm gehört ein umfangreiches Angebot an Schleifmitteln, Bohrern und Sägeblättern. 

 

BSH Hausgeräte GmbH

Anfang Januar 2015 übernahmen wir sämtliche Geschäftsanteile des früheren paritätischen Gemeinschaftsunternehmens BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH, München. Das Unternehmen firmiert inzwischen unter BSH Hausgeräte GmbH. Auch dieses Unternehmen wurde im Konzernabschluss 2014 der Bosch-Gruppe noch nach der Equity-Methode konsolidiert. Seit Anfang 2015 beziehen wir den Teilkonzern (im Folgenden BSH Hausgeräte) vollständig ein.  

Das Produktprogramm des Hausgeräteherstellers reicht von Waschmaschinen und Wäschetrocknern über Kühl- und Gefriergeräte, Herde und Backöfen sowie Spülmaschinen bis hin zu Kleingeräten wie Staubsaugern, Kaffeeautomaten, Bügeleisen oder Heißwassergeräten. Der Hausgerätespezialist nutzt dazu als Hauptmarken Bosch und weiterhin in Lizenz Siemens sowie Regional- und Spezialmarken wie Gaggenau, Neff, Thermador, Constructa, Zelmer, Balay oder Pitsos. 

 

Unternehmensbereich Energy and Building Technology

 

Der Unternehmensbereich umfasst neben den Geschäftbereichen Security Systems und Thermotechnology neu geschaffene Einheiten, insbesondere bei Dienstleistungen und im Bereich Internet der Dinge.

 
Security Systems 

Der Geschäftsbereich Security Systems bietet Produkte und Lösungen im Bereich Sicherheit an. Zum Portfolio gehören Systeme zur Videoüberwachung, zur Einbruch- und Brandmeldung und für die Zutrittskontrolle sowie Beschallungs- und Evakuierungssysteme und professionelle Audio- und Konferenzsysteme. Teil des Geschäftsbereichs Security Systems ist seit Anfang 2016 die neue Geschäftseinheit International Integrator Business. Hier führen wir das gewerbliche Dienstleistungsgeschäft der Einheit Gebäudesicherheit mit der Tochtergesellschaft Bosch Energy and Building Solutions GmbH, Ditzingen, sowie den Anfang 2015 erworbenen Dienstleister für Gebäudeautomation Climatec, LLC, Phoenix/Arizona, USA, zusammen. 

 
Thermotechnology 

Im Geschäftsbereich Thermotechnology sind wir in Europa ein führender Hersteller von energieeffizienten Heizungsprodukten und Warmwasserlösungen. Der Bereich nutzt dazu internationale und regionale Marken wie zum Beispiel Bosch, Buderus, Worcester und Junkers. Das Produktprogramm reicht von bodenstehenden und wandhängenden Heizgeräten über Wärmepumpen, Solarthermie-Systeme und Festbrennstoffkessel bis hin zu Blockheizkraftwerken und Industriekesseln.

Bosch Global Service Solutions

Zum Jahresanfang 2016 wurde der Geschäftsbereich Bosch Global Service Solutions geschaffen. Der neue Geschäftsbereich hat die Aufgabe, das bisher bei Security Systems angesiedelte Geschäft mit externen Geschäftsdienstleistungen weiter auszubauen. Innerhalb von Bosch wird er zugleich Dienstleister für Shared-Service-Funktionen.

 
Robert Bosch Smart Home GmbH

Zum Jahresanfang 2016 ging zudem die neue Tochtergesellschaft Robert Bosch Smart Home GmbH an den Start. Wir haben unter dem Dach der neuen Gesellschaft die Aktivitäten auf dem Gebiet „Intelligentes Haus“ (Smart Home) inklusive zugehöriger Software- und Sensorik-Kompetenzen gebündelt und bieten künftig Produkte und Dienstleistungen rund um das vernetzte Haus aus einer Hand.

 
Nicht den Unternehmensbereichen zugeordnete Gesellschaft

Unsere Tochtergesellschaft Bosch Software Innovations GmbH, Berlin, entwickelt basierend auf einer eigenen Software-Suite (Software-Plattform) Lösungen für die vernetzte Welt. Sie bietet Applikationen insbesondere in den Bereichen Energie, Industrie und Mobilität an.

Perspektiven für die Bosch-Gruppe

 

Grundlegende Ausrichtung

 

Unser Leitbild „We are Bosch“ bildet den Orientierungsrahmen, von dem sich die strategische Ausrichtung der Bosch-Gruppe und der Unternehmensbereiche ableitet.

Ausgangspunkt ist der Auftrag, die Zukunft des Unternehmens im Sinne des Unternehmensgründers Robert Bosch zu sichern, also das Unternehmen kraftvoll weiterzuentwickeln und die finanzielle Unabhängigkeit zu wahren. Wir haben dabei den Anspruch, mit „Technik fürs Leben“ Produkte zu entwickeln, die Menschen begeistern, ihre Lebensqualität verbessern und zur Schonung natürlicher Ressourcen beitragen. Produkte sind nicht nur physische Erzeugnisse, sondern zunehmend auch Software und Dienstleistungen. Unsere Strategie setzt auf den im Unternehmensleitbild verankerten strategischen Schwerpunkten Kundenfokus, Wandel und Spitzenleistung auf. Wir haben diese Schwerpunkte von Einflussfaktoren wie Megatrends, Veränderungen des Wettbewerbsumfelds, Innovationen, Kundenerwartungen, Ressourcenknappheit sowie politischen Entwicklungen abgeleitet.

Bei Produkten und Geschäftsmodellen wollen wir für unsere Kunden die beste Lösung finden. Deshalb bieten wir auf Kunden und Märkte zugeschnittene Produkte an und nutzen das Innovationspotenzial unseres weltweiten Entwicklungsnetzwerks. Mit dem strategischen Schwerpunkt Wandel untermauern wir den Anspruch, die weitreichenden Veränderungen in unserem Markt- und Technikumfeld aktiv zu gestalten. Spitzenleistung in allen Bereichen ist die Voraussetzung, um nachhaltig unsere Ziele bei Wachstum, Ertrag und Agilität zu erreichen. Hier messen wir uns an den besten Wettbewerbern. Mit effizienten Prozessen, schlanken Strukturen und hoher Produktivität wollen wir den Unternehmenswert sichern und steigern. Die sich beschleunigt verändernden Umfeldbedingungen erfordern zudem eine erhöhte Agilität. Hierzu entwickeln wir unser Verständnis und unsere Konzepte zu Führung, Zusammenarbeit, Organisation und Kommunikation ständig weiter, mit dem Ziel unsere Veränderungsfähigkeit und -geschwindigkeit zu steigern.

Dabei bauen wir auf unseren Stärken auf: der Bosch-Kultur, unserer hohen Innovationskraft und Qualität sowie einer breiten globalen Aufstellung. Grundlage unserer Strategie und unseres Handelns bilden die Bosch-Werte: eine klare Zukunfts- und Ertragsorientierung, Verantwortung und Nachhaltigkeit, Initiative und Konsequenz, Offenheit und Vertrauen, Fairness, Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit, Legalität sowie Vielfalt.


Vielfältige Chancen

 

Die Veränderungen des Markt- und Technikumfelds eröffnen für die Bosch-Gruppe vielfältige Chancen insbesondere bei den Themen Energieeffizienz, Elektrifizierung, Automatisierung, Vernetzung und aufstrebende Märkte. Die Energieeffizienz wollen wir sowohl bezogen auf unsere Produkte als auch in der eigenen Wertschöpfung verbessern. Treiber sind die zunehmende Energienachfrage, die schärfer werdenden Vorschriften beim Klima- und Umweltschutz und die Endlichkeit fossiler Energieträger. Das führt zu einer steigenden Nachfrage nach energieeffizienten Produkten in allen Unternehmensbereichen. Wir erzielen gut 40 % unseres Umsatzes mit Produkten, die zu Energieeffizienz, Umweltschutz und Ressourcenschonung beitragen. Auf sie entfallen zudem mehr als die Hälfte unserer Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen. Hierbei sind Automotive Steering und BSH Hausgeräte noch nicht berücksichtigt.

Die Elektrifizierung ist von besonderer Bedeutung für den Unternehmensbereich Mobility Solutions. Wir rechnen damit, dass im Jahr 2025 rund 15 % aller weltweit gebauten Personenwagen und leichten Nutzfahrzeuge einen elektrischen Antrieb haben werden – die meisten davon als Hybrid mit einem Verbrennungsmotor. Im Jahr 2015 erreichte die Zahl der Elektro- und Hybridfahrzeuge in Summe noch weniger als zwei Millionen Einheiten. Treiber für Elektrifizierung und Elektromobilität sind immer anspruchsvollere Vorgaben für Verbrauch und Emissionen, sinkende Batteriekosten, eine steigende Alltagstauglichkeit bezogen auf die Reichweite, aber auch Fahrspaß, Faszination und Vernetzung.

Die Automatisierung betrifft insbesondere die Unternehmensbereiche Mobility Solutions sowie Industrial Technology. Das automatisierte Fahren kann bei weiter wachsender Verkehrsdichte helfen, die Zahl der Unfälle zu reduzieren und die Verkehrsleistung der Straßen zu verbessern. Allein in Deutschland rechnen wir beispielsweise mit einem Rückgang der Unfallzahlen durch die zunehmende Automatisierung um bis zu ein Drittel. In der Industrietechnik ergeben sich für uns vielfältige Chancen durch die zunehmende Flexibilisierung der Produktion verbunden mit einer intensiveren Vernetzung der Produktion, auch in der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Daraus resultieren zusätzliche Möglichkeiten für eine Steigerung der Produktqualität und Produktivität, für eine Ausweitung der Funktionalität, der Ressourcenschonung sowie zur Verbesserung von Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten.

Ein übergreifendes Thema ist die Vernetzung. Sie betrifft alle Unternehmensbereiche – von der vernetzten Mobilität, der vernetzten Industrie über das vernetzte Haus bis hin zur vernetzten Gebäude- und Energietechnik. Treiber sind die Miniaturisierung der Elektronik und die Verfügbarkeit immer leistungsfähigerer Sensoren, Datennetze und Rechner. Immer mehr Produkte werden kostengünstig mit dem Internet verbunden. Wir sehen darin für uns große Chancen aufgrund unserer Expertise in vielen Produktbereichen und unserer Software- sowie unserer Sensorikkompetenz als einer der weltweit führenden Anbieter von MEMS-Sensoren. Wir haben seit dem Produktionsstart im Jahr 1995 knapp sieben Milliarden Stück gefertigt. Auf dieser Basis entwickeln wir neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle. 

Die aufstrebenden Märkte in Asien, Südamerika und Mittelosteuropa sind der Lebensraum für den Großteil der Weltbevölkerung. Sie werden trotz der aktuellen Wachstumsverlangsamung langfristig höhere Wachstumsraten als die Industrienationen aufweisen. Gefragt sind kostengünstige Produkte, die häufig spezielle, lokale Marktanforderungen, beispielsweise bei Robustheit und Reparaturfähigkeit, erfüllen müssen. Ein weiterer aufstrebender und für uns chancenreicher Markt ist Afrika. Er hat aufgrund des großen Nachholbedarfs langfristig ein hohes Wachstumspotenzial. 

Wirtschaftliche Ziele

 

Vom Leitbild „We are Bosch“, den strategischen Schwerpunkten und vom Wettbewerbsumfeld leiten sich die wirtschaftlichen Ziele der Bosch-Gruppe ab. Wir streben im längerfristigen Durchschnitt weiterhin ein Umsatzwachstum von 8 % p. a. an, davon bis zu 3 %-Punkte durch Zukäufe. Bis 2020 wollen wir den Umsatz in Asien-Pazifik und Amerika gegenüber 2013 verdoppeln, in Europa stärker als der Markt wachsen sowie in Afrika den Umsatz von heute rund 500 Millionen Euro auf zwei Milliarden Euro steigern. Bezogen auf die Unternehmensbereiche streben wir weiterhin ein ausgewogeneres Verhältnis des Bereichs Mobility Solutions zu den weiteren Unternehmensbereichen an. Hier haben wir durch die Übernahme von BSH Hausgeräte die Balance verbessert.

Zudem haben wir uns eine operative EBIT-Rendite von rund 7 % vom Umsatz zum Ziel gesetzt, die wir aus Benchmark-Vergleichen der Geschäftseinheiten und unter Berücksichtigung der erheblichen Vorleistungen für Wachstumsprojekte sowie der erforderlichen Transformationen ableiten. Das Renditeziel wird regelmäßig angepasst, auch an das jeweils aktuelle Portfolio der Arbeitsgebiete. Die Reduzierung gegenüber dem im Vorjahr genannten Ziel von 8 % resultiert im Wesentlichen aus der Vollkonsolidierung von Automotive Steering und BSH Hausgeräte. Hier spielen überwiegend rechnerische Effekte eine Rolle. So gingen bei der früher angewandten Equity-Methode die beiden Einheiten nur mit ihrem anteiligen Nachsteuerergebnis in das EBIT der Bosch-Gruppe ein, nicht jedoch mit ihrem Umsatz. Die Ergebnisbelastungen aus den erhöhten Abschreibungen – 

aufgrund der im Zuge der erstmaligen Vollkonsolidierung erfolgten Neubewertung der Vermögenswerte – bei Automotive Steering und BSH Hausgeräte werden beim neu festgelegten operativen Renditeziel von rund 7 % nicht berücksichtigt.

 

Strategie und Innovation

 

Mobility Solutions

Im Unternehmensbereich Mobility Solutions haben wir das Ziel, auch bei den Zukunftsthemen elektrifiziertes, automatisiertes und vernetztes Fahren eine Spitzenposition einzunehmen. Zudem entwickeln wir Services für die intermodale Mobilität, also für das Zusammenspiel des Autos mit anderen Verkehrsträgern wie Fahrrad, Bahnen und Bussen. Wir entwickeln dabei den Unternehmensbereich vom Lieferanten für Systeme und Komponenten zu einem Anbieter von Mobilitätslösungen weiter. Davon erwarten wir uns neue Kunden und zusätzliches Geschäft. 

Strategischer Zukauf in der Batterietechnik

Mit dem Kauf des US-amerikanischen Start-ups Seeo Inc., Hayward/Kalifornien, USA, im Jahr 2015 haben wir Wissen im Bereich der Festkörperzellen für Lithium-Ionen-Batterien erworben. Die Batterie ist eines der Kernelemente der künftigen Elektromobilität. Die Festkörperzelle könnte dabei eine Durchbruchstechnologie werden. Bis jetzt war Branchenziel, im Laufe dieses Jahrzehnts die Energiedichte von Batterien zu verdoppeln und die Kosten zu halbieren. Wir sehen das Potenzial, mit den neuen Festkörperzellen diese Ziele zu übertreffen. 

Der Erwerb fügt sich sehr gut in unsere Elektromobilitätsstrategie ein. Bereits heute verfügen wir über ein breites Portfolio an Komponenten, vom Motor über die Leistungselektronik bis hin zur Batterie. Wir haben bereits 30 Serienprojekte realisiert. Dabei ist auch die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Geschäftsbereiche von großer Bedeutung. So bietet beispielsweise unser Geschäftsbereich Electrical Drives ein intelligentes Thermomanagement für Elektrofahrzeuge an, das eine Reichweitenverlängerung von bis zu 25 % ermöglicht. Schon 2013 gründeten wir ein Joint Venture mit GS Yuasa und der Mitsubishi Corporation, das an leistungsstärkeren Lithium-Ionen-Batterien arbeitet. Der Erwerb von Seeo erweitert unsere Kompetenzen. Bei aktuellen Lithium-Ionen-Batterien ist die Energiedichte dadurch limitiert, dass die Anode zu großen Teilen aus Graphit besteht. Mithilfe der Festkörper-Technologie lässt sich die Anode aus reinem Lithium fertigen, was die Speicherfähigkeit deutlich erhöht. 

 
Verbrennungsmotor mit weiterem Potenzial

Dennoch wird der Verbrennungsmotor bis weit in das nächste Jahrzehnt hinein eine dominierende Rolle spielen. Bei der Benzin-Direkteinspritzung erleben wir aktuell einen ähnlich starken Nachfrageanstieg wie bei der Diesel-Direkteinspritzung in den vergangenen Jahren. Grund sind die weltweit verschärften Verbrauchs- und Abgasnormen. Dabei macht erst der Diesel mit seiner besonderen Sparsamkeit die ambitionierten Klimaschutz-Ziele der Europäischen Union für das Jahr 2021 realisierbar. Bosch verfügt über die Technologien, damit der Selbstzünder im realen Straßenverkehr die strengen Vorschriften zu den Stickoxid-Emissionen erfüllt. 

Bei schweren und großen Personenwagen ist jedoch die Optimierung der Verbrennungsmotoren allein nicht mehr ausreichend. Hier kommen vermehrt Hybridkonzepte zum Einsatz. Im Herbst 2015 präsentierte Bosch die zweite Generation eines 48-Volt-Hybrids. Die weiterentwickelte Einstiegselektrifizierung sorgt für weitere Einsparungen, liefert zudem zusätzliche 150 Newtonmeter Drehmoment und sorgt damit auch für zusätzliche Fahrdynamik. Die elektrische Maschine ist direkt ins Getriebe integriert. Damit ist auf kurzen Strecken, beispielsweise im innerstädtischen Verkehr, rein elektrisches Fahren möglich. Wir rechnen damit, dass im Jahr 2020 rund vier Millionen Neufahrzeuge dieses System an Bord haben werden.

Zudem haben wir die Benzin- und Diesel-Direkteinspritzung technisch weiterentwickelt. So haben wir den Druck beim Diesel bei Personenwagen auf bis zu 2 700 bar erhöht, was zu geringeren Emissionen und weniger Verbrauch führt. Darüber hinaus können mit dem Digital Rate Shaping Emissionen, Kraftstoffverbrauch und Verbrennungsgeräusch deutlich reduziert werden, indem der Einspritzvorgang in noch mehr kleine Kraftstoffinjektionen unterteilt wird. Bei der Benzin-Direkteinspritzung reduzieren wir ebenfalls durch höhere Drücke von jetzt bis zu 350 bar Verbrauch und Emissionen. Ein weiterer Ansatz zum Spritsparen ist das aktive Gaspedal. Ein sanftes Vibrieren zeigt dem Fahrer die verbrauchsoptimale Pedalstellung an. Darüber hinaus geht die Entwicklung in Richtung vernetzter Antrieb. Beispielsweise können wir den optimalen Zeitpunkt für die Regeneration des Partikelfilters über die Vernetzung mit dem elektronischen Horizont des Navigationssystems steuern. Bei Hybridfahrzeugen lässt sich mit diesen Informationen die Batterie vorausschauend aufladen, um in der Stadt rein elektrisches Fahren zu ermöglichen. 

 

Neue Einheiten für Nutzfahrzeug- und Zweiradgeschäft

Weitere erhebliche Wachstumschancen durch umweltfreundliche und effiziente Antriebstechnik sowie Assistenz- und Vernetzungslösungen bietet das Nutzfahrzeuggeschäft, mit dem wir rund ein Viertel unseres Umsatzes bei Mobility Solutions erzielen. Eine wichtige strategische Entscheidung war die Bildung einer eigenen Organisationseinheit für das Nutzfahrzeug- und Offroadgeschäft zum Jahresanfang 2016 mit Verantwortung für Systementwicklung, Produktmanagement und Vertrieb. Damit wollen wir branchenspezifische Anforderungen unter anderem in den Bereichen Lkw-Transport, Landwirtschaft und Baumaschinen sowie deren Charakteristika besser berücksichtigen, wie kleinere Stückzahlen bei höherer Varianz. Wir bieten über diese Einheit das gesamte Produktspektrum von der Antriebstechnik über Lenksysteme bis hin zu Infotainmentsystemen an. 

Zusätzlich bauen wir das Zweiradgeschäft aus. Dazu haben wir 2015 die geschäftsbereichsübergreifende Einheit Two-Wheeler and Powersports geschaffen. Wir bieten für Zweiräder Sicherheitssysteme wie ABS und die Motorrad-Stabilitätskontrolle (MSC) an, verbrauchsarme Antriebstechnik sowie Anzeigeinstrumente. Mithilfe dieser Einheit werden wir regional noch stärker Märkte in Ländern wie China, Indien und in den ASEAN-Staaten adressieren. Hauptsitz mit globaler Entwicklungs-, Vertriebs- und Ergebnisverantwortung ist Yokohama, Japan, um die Nähe zu wichtigen Motorradherstellern zu nutzen. Eine Marktneuheit war 2015 der erste Totwinkel-Assistent für motorisierte Zweiräder. Das System basiert auf vier Umfeldsensoren mit Ultraschalltechnik und hilft Motorradfahrern beim sicheren Spurwechsel.

 

Fokussierung erforderlich

Die Transformation in der Mobilität hin zum elektrifizierten, automatisierten und vernetzten Fahren sowie die erheblichen Vorleistungen machen gleichzeitig eine stärkere Fokussierung erforderlich. Wir haben uns daher 2015 entschieden, den Geschäftsbereich Starter Motors and Generators auszugliedern und in einem zweiten Schritt einen Partner oder Käufer zu suchen. Nach unserer Überzeugung hat der Geschäftsbereich in einer Allianz bessere langfristige Aussichten. Ein Partner oder Käufer kann sich auf den Ausbau des Starter- und Generatoren-Geschäfts in diesem sehr kostengetriebenen Bereich konzentrieren und die globale Präsenz erweitern.  

Grundlagen für diese Neuaufstellung haben wir durch umfangreiche Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit sowie erhebliche Anstrengungen bei der Neuentwicklung von Produkten und Investitionen geschaffen. So unterstützt der Geschäftsbereich mit der Boost-Recuperation-Maschine die Weiterentwicklung von Niedervolt-Hybrid-Systemen, was einen wichtigen Beitrag zur 

CO2-Reduzierung konventioneller Verbrennungsmotoren leistet. Auch im etablierten Generator-Geschäft erzielten wir weitere Fortschritte. Die Hocheffizienzdiode und der aktive Gleichrichter im Generator wurden als Öko-Innovationen vom Europäischen Parlament anerkannt. Der Bereich steht auf einer soliden Basis. Dies sichert auch die Perspektiven für die Beschäftigten in einer neuen Partnerschaft. Uns war es zudem wichtig, die Arbeitnehmer möglichst frühzeitig zu informieren, und wir beziehen die Arbeitnehmervertreter umfangreich in unsere Pläne ein.

 

Wachsender Markt Fahrerassistenzsysteme

Beim automatisierten Fahren rechnen wir mit einem evolutionären Prozess. Motivation ist für uns die Sicherheit im Straßenverkehr. Weltweit sterben nach UN-Schätzungen rund 1,3 Millionen Menschen pro Jahr durch Verkehrsunfälle. Bei 90 % ist menschliches Versagen der Auslöser. Bis zum vollautomatisierten Fahren sind noch rechtliche und technische Hürden zu nehmen. In Serie gehen bereits immer mehr teilautomatisierte Funktionen und Fahrerassistenzsysteme. Auf dem stark wachsenden Markt der Fahrerassistenz steigern wir unseren Umsatz derzeit jährlich um rund ein Drittel. An der Weiterentwicklung der Fahrerassistenzsysteme arbeiten inzwischen rund 2 500 Bosch-Fachleute. Wichtige Basis sind die elektronischen Bremsregelsysteme ABS, ASR und ESP®. Seit Herbst 2014 ist ESP® in der Europäischen Union für alle Neufahrzeuge Pflicht. 

Eine wichtige Aufgabe ist die Integration des früheren Gemeinschaftsunternehmens Automotive Steering, eines Technologieführers im Zukunftsfeld Elektrolenkung. Automotive Steering stellte 2015 die 50-millionste Elektrolenkung Servolectric her. Die Elektrolenkung ist in Personenwagen, aber auch zunehmend in leichten Nutzfahrzeugen eine entscheidende Komponente für viele sicherheitsrelevante Assistenzsysteme und ein wichtiges Element in Richtung automatisiertes Fahren. Mit der Einführung der elektrohydraulischen Lenkung Servotwin bei schweren Nutzfahrzeugen ist es erstmalig möglich, auch hier Fahrerassistenzfunktionen wie zum Beispiel zur Spurhaltung zu realisieren. Dabei können Assistenzfunktionen gerade bei Nutzfahrzeugen zukünftig zur Unfallvermeidung wesentlich beitragen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Vernetzung der Komponenten zu softwaregesteuerten Gesamtsystemen. Wir haben eine Lösung entwickelt, die es erlaubt, ein Gespann aus Pkw und Anhänger mit dem Smartphone von außerhalb des Fahrzeugs zu manövrieren. Zudem bietet die Elektrolenkung durch eine noch bessere Abstimmung von Antrieb, Lenkung, Bremse und Fahrerassistenzsystemen etwa beim Start-Stopp-Segeln ein erhebliches Verbrauchssenkungspotenzial für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. 

Sensorik als Schlüsseltechnologie

Eine entscheidende Rolle spielt die Sensorik. Bosch ist ein führender Anbieter bei Radarsensoren und hat über seinen Mittelbereichssensor MRR die Radartechnik auch für einen breiten Markt zugänglich gemacht. Der Sensor ist dabei Basis für mehrere Fahrerassistenzsysteme wie die adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung und Spurhaltesysteme. In diesem Jahr haben wir eine Reihe neuer Systeme in Serie gebracht, von Stau- und Ausweichassistenten bis hin zum ferngesteuerten Parken. 

Der Einsatz von Sensoren eröffnet auch weitere Möglichkeiten. Mit der Daimler AG haben wir ein Pilotprojekt zum automatisierten Parken im Parkhaus gestartet: Die Fahrzeuge sollen bereits in naher Zukunft im Zusammenspiel von Parkhaus-Infrastruktur, Fahrzeugsteuergerät und Fahrzeugsensorik selbstständig manövrieren können. In einem Pilotprojekt arbeiten wir zudem mit dem Verband Region Stuttgart zum aktiven Parkraum-Management zusammen. Ausgewählte Parkplätze werden mit Sensoren ausgestattet, die die Belegung erfassen und die Informationen in Echtzeit an mögliche Nutzer per App weitergeben. 

 

Trend zur Vernetzung

Das Auto der Zukunft ist vernetzt. Es nutzt hochaktuelle Informationen aus dem Internet, um die Fahrzeuginsassen noch sicherer, effizienter und komfortabler ans Ziel zu bringen. Bosch stellte 2015 einen Falschfahrerwarner vor, der Autofahrer über die Cloud innerhalb von zehn Sekunden warnt, wenn ein Geisterfahrer entgegenkommt. Um ein Fahren in falscher Richtung zu erkennen, vergleicht die cloudbasierte Funktion auf Wunsch des Fahrers die tatsächliche Bewegung des Fahrzeugs mit erlaubten Fahrtrichtungen, die in einer internetbasierten Datenbank hinterlegt sind. Das System soll bereits 2016 in Serie gehen. Bosch ist darüber hinaus 2015 eine Kooperation mit dem niederländischen Karten- und Verkehrsinformationsanbieter TomTom eingegangen, um solche und andere Funktionen durch die Erstellung hochgenauer Karten zu unterstützen. Zudem betreiben wir bereits für mehrere Automobilhersteller einen eCall-Service sowie einen mobilen Informationsdienst, die wir weiter ausbauen. 

Um das Internet ins Fahrzeug zu bringen, verfolgt Bosch grundsätzlich zwei Ansätze. Kernelement des ersten Ansatzes ist das Smartphone des Fahrers. Es konnten eine Reihe von Automobilherstellern gewonnen werden, um mit der Integrationslösung mySpin Android- und iOS-basierte Geräte ins Infotainmentsystem des Fahrzeugs einzubinden. Hier bieten wir inzwischen rund 50 kompatible Apps an. Für die Entwicklung solcher Apps gehen wir neue Wege wie beispielsweise durch von uns ausgerichtete Hackathons, bei denen Programmierer, Software-Entwickler sowie Designer und Produktmanager in kurzer Zeit gemeinsam neue Software entwickeln. 

Als zweiten Ansatz bietet Bosch mit der Connectivity Control Unit eine Vernetzungshardware an. Diese kommuniziert über ein Mobilfunkmodul mit eigener SIM-Karte. Wir haben angepasste Geräte für Personenwagen, Nutzfahrzeuge, Motorräder und sogar Güterwagen der Eisenbahn im Programm. Auch die Nachrüstung für das Flottenmanagement ist verfügbar. Zentraler Aspekt bei solchen Systemen ist für uns der Kundennutzen. Ein von Bosch entwickelter Touchscreen mit haptischem Feedback wurde mit dem CES 2016 Innovation Award in der Kategorie „In-Vehicle Audio/Video“ ausgezeichnet. Die Tasten auf dem Touchscreen fühlen sich wie reale Knöpfe an. Das erleichtert die Orientierung und erhöht die Sicherheit beim Autofahren.

Die Vernetzung führt auch zu einem wachsenden Servicegeschäft. Beispielsweise lassen sich für das Elektrofahrzeug online freie Ladesäulen finden und bezahlen. Zudem lassen sich aus der Übertragung von Daten aus Steuergeräten präventive Wartungstermine ableiten. Solche Dienstleistungen unterstützen das Flottenmanagement beispielsweise von Leasinggesellschaften. Über das Bosch-Mobilitätsportal Drivelog können auch Autofahrer solche Services bereits in mehreren europäischen Ländern direkt nutzen. Zudem arbeiten wir an der Vernetzung unterschiedlicher Verkehrsträger. Ein Beispiel ist die Software-Lösung für das Projekt Stuttgart Services. Damit lassen sich Car- und Bike-Sharing, Bahnen und Busse mit einer Chipkarte nutzen, die zugleich Eintrittskarte für Schwimmbäder oder Ausleihkarte für Bibliotheken sein kann. 

 

Industrial Technology

Drive and Control Technology stellt sich neu auf

Den Geschäftsbereich Drive and Control Technology richten wir neu aus. Bosch Rexroth konzentriert sich auf die Bereiche Mobile und Industrielle Anwendungen mit den Produktfeldern Mobilhydraulik, Industriehydraulik, elektrische Antriebe und Steuerungen sowie Linear- und Montagetechnik. Bei mobilen Anwendungen gibt es aufgrund der schwachen Marktentwicklung insbesondere in China erhebliche Überkapazitäten. Hier haben wir im November 2015 ein umfangreiches, mehrjähriges Sanierungskonzept vorgestellt, um eine Kostenlücke von rund 450 Millionen Euro zu schließen. Dabei haben wir auch die Arbeitnehmervertreter eng in die Suche nach Maßnahmen zur Schließung der Kostenlücke einbezogen, um auch einen Teil des damit verbundenen, möglichst sozialverträglichen Abbaus von 1 150 Stellen bis 2018 zu vermeiden. Betroffen davon sind vor allem deutsche Standorte. Zudem kündigten wir bereits im Oktober in China einen Stellenabbau an. 

Für den Bereich Industrielle Anwendungen gaben wir bereits zuvor ein Restrukturierungskonzept bekannt, um die Wettbewerbsfähigkeit in diesem Bereich zu stärken. Es schließt den sozialverträglichen Abbau von rund 580 Stellen bis Ende 2016 ein. Darüber hinaus verkauften wir das Geschäft mit Großgetrieben an die ZF Friedrichshafen AG, Friedrichshafen. Großgetriebe kommen unter anderem in Windkraftanlagen oder auch Tunnelbohrmaschinen und Minenbaggern zum Einsatz. 

Der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit bei Drive and Control Technology messen wir eine hohe Bedeutung zu, da der Bereich eine führende Rolle bei Industrie 4.0 (I4.0) spielt. Vorreiter bei der industriellen Vernetzung sind dabei Branchen, die schon Erfahrung mit Produktionssystemen und variantenreicher Fertigung haben, wie zum Beispiel die Automobilindustrie. Als Automatisierungspartner arbeitet Bosch Rexroth eng mit mehreren Automobil- und Werkzeugmaschinenherstellern zusammen und unterstützt sie bei der Vernetzung ihrer gesamten Produktion mit Antriebs- und Steuerungslösungen.

Um das Thema Industrie 4.0 innerhalb der gesamten Bosch-Gruppe voranzutreiben, wurde zudem Anfang 2015 das bereichsübergreifende Innovationscluster „Connected Industry“ gebildet. Bosch will in den eigenen Werken Leitanwender mit Fokus auf Kostensenkung, Steigerung der Qualität und Liefererfüllung sowie gleichzeitig Leitanbieter am externen Markt werden. Mit den Erfahrungen aus bereits mehr als 100 Pilotprojekten in den Bosch-Werken entwickeln wir übergreifende Lösungen, die wir auch für die externe Vermarktung nutzen wollen. Dazu gehört auch eine offene I4.0-Plattformarchitektur für Hard- und Software. 

Eine weitere Schlüsselrolle für Bosch Rexroth spielt in der Fabrikautomation die Elektrifizierung aller Technologien. In Linearführungen integrierte Messsysteme, der elektrische Antrieb IndraDrive ML und vor allem elektrohydraulische Lösungen mit digitaler Intelligenz fügen sich in vernetzte Umgebungen ein. So ermöglicht das integrierte Messsystem IMS mit viertausendstel Millimetern eine noch höhere Präzision, auch unter den harten Bedingungen der Metallzerspanung mit starker Vibration und hohen Kräften. Der neue Antrieb IndraDrive ML erweitert die IndraDrive-Familie im oberen Leistungsbereich bis hin zu vier Megawatt. Das Hydraulikaggregat ABPAC erfasst über Sensoren kontinuierlich verschiedene Betriebszustände und erkennt frühzeitig Verschleißerscheinungen, bevor sie zum Betriebsausfall führen. 

Zudem unterstützen wir in der Umformtechnik die Maschinen- und Anlagenhersteller bei der Elektrifizierung unter anderem durch drehzahlvariable Pumpenantriebe, digitale Druck- und Förderstromregelungen und servohydraulische Achsen. Durch das ActiveCockpit als Kommunikationsplattform lassen sich IT-Anwendungen wie Fertigungsplanung, Qualitätsdatenverwaltung oder E-Mail-Postfächer und personalisierte Kalender mit den Softwarefunktionen von Maschinen und Anlagen vernetzen. Es visualisiert in Echtzeit alle relevanten Daten als Basis für Entscheidungen und Prozessoptimierungen.

Im Bereich Mobile Anwendungen richten wir die Vertriebsstrukturen neu aus. Ziel ist es, sowohl internationale Großkunden als auch regionale mittelständische Kunden sowie das Händlergeschäft noch besser zu betreuen. Darüber hinaus bauen wir das Service-Geschäft aus, um den von Konjunkturzyklen weitgehend unabhängigen Umsatz mit Ersatzteilen und Reparaturdienstleistungen zu stärken. Zusätzlich investieren wir verstärkt in Innovationen. Hier entwickeln wir Lösungen für die weitere Elektronifizierung der Mobilhydraulik und gestalten den Technologiewandel bei modernen Arbeitsmaschinen. Mit der Systemlösung EDIS verringern Betreiber von Radladern ihren Kraftstoffverbrauch. Das hydrostatische Schnellstopp-System HyStop bremst die Walzen bei Häckslern für die Ernte von Gras oder Mais schnell und sanft ab, auch bei hohen Drehzahlen. Es ist dabei wesentlich weniger störanfällig als mechanische Stopp-Systeme.

Darüber hinaus gehen wir bei der Herstellung unserer Produkte neue Wege. Um technologische Grenzen zu überwinden, setzt die Gießerei von Bosch Rexroth in Lohr für kleine Serien und Prototypen 3D-Drucker zur Herstellung von Gusskernen ein. Mit ihnen lassen sich auch komplexe Formen realisieren. Dies führt zu kürzeren Entwicklungszeiten und niedrigeren Kosten. So können Kleinserien und Ersatzteile arbeitseffizienter und somit kostenoptimal produziert werden. 

 
Packaging Technology mit Akquisitionen in Nordamerika

Für unseren Geschäftsbereich Packaging Technology bleiben Europa und Nordamerika auch künftig wichtige Zielmärkte für Innovationen. Darüber hinaus erwarten wir ein überdurchschnittliches Marktwachstum in Asien und Afrika. Wir stärkten den Geschäftsbereich in Nordamerika durch die Übernahme der Osgood Industries Inc., Oldsmar/Florida, USA, die Maschinen zum Füllen und Verschließen vorgefertigter Becher herstellt, die sehr hohen Hygienevorschriften, wie etwa bei Eiscreme oder Joghurt, unterliegen. Zudem erwarben wir die Kliklok-Woodman Corporation, Decatur/Georgia, USA – einen Verpackungsmaschinenhersteller unter anderem für Back- und Süßwaren, Tiefkühlkostprodukte sowie Molkereiprodukte. Gleichzeitig übernahmen wir auch die Kliklok International Ltd., Bristol, Vereinigtes Königreich. Das Portfolio umfasst Maschinen für Primär- und Sekundärverpackungen wie Kartonier- und Verschließmaschinen. Darüber hinaus haben wir 49 % der Anteile an der Klenzaids Contamination Controls Pvt. Ltd., Mumbai, Indien, übernommen, die Prozess-, Verpackungs- und Reinraumtechnik für die internationale Pharmaindustrie herstellt. Außerdem gründeten wir das Joint Venture BOPATEC S.A. de C.V., Mexiko-Stadt, Mexiko, mit der mexikanischen Hubapac-Gruppe für die Bereiche Pharma und Nahrung und schufen Verkaufs- und Servicestandorte in Kenia sowie ein Servicezentrum in Brasilien. 

Zur Stärkung unserer Marktposition in diesen aufstrebenden Märkten dient auch der Ausbau des Produktportfolios bei Maschinen und Anlagen im mittleren Leistungssegment mit einem reduzierten Komplexitätsgrad. Gleichzeitig steht die Entwicklung von I4.0-Lösungen im Vordergrund wie vermehrte Fernwartungsdienstleistungen oder Track-and-Trace-Lösungen für Verpackungen im pharmazeutischen Bereich. Dabei wird ein spezieller Erkennungscode auf jedes verpackte Produkt gedruckt. So lässt es sich über die gesamte Lieferkette hinweg verfolgen – von der Herstellung bis zum Verbraucher. Darüber hinaus bietet Bosch mit der APAS-Produktfamilie verschiedene Produktionsassistenten an, die speziell für die Zusammenarbeit mit dem Menschen entwickelt wurden. Im Fokus stehen kritische Arbeitsschritte wie die Inspektion hochsensibler Oberflächen, Vollständigkeitsprüfungen oder auch hochgenaues Fügen. Mit einem neuentwickelten Automatisierungssystem lassen sich zudem mittels Softwaremodulen Produktions- und Qualitätsdaten sowie Logistikprozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette überwachen und steuern.

 

Consumer Goods

Power Tools baut Produktportfolio aus

Der Geschäftsbereich Power Tools behauptet seine starke Marktposition bei Elektrowerkzeugen, Gartengeräten, Messwerkzeugen sowie Zubehör vor allem durch regelmäßige, auf hohen Anwendernutzen zielende Produktinnovationen und daraus resultierende starke Marken. Mehr als ein Drittel der Produkte ist jünger als zwei Jahre. Im Jahr 2015 hat Power Tools rund 50 Millionen Elektrowerkzeuge gefertigt. Das sind mehr als je zuvor – und fast doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Dabei bedient Power Tools verschiedene Zielgruppen mit sehr unterschiedlichen Anforderungen: Heimwerker auf der einen Seite sowie Profis in industrialisierten und aufstrebenden Märkten auf der anderen. 

Bei Handwerkern gibt es, unterteilt nach industrialisierten und aufstrebenden Märkten, unterschiedliche Trends. In den industrialisierten Märkten liegt der Schwerpunkt auf der Steigerung der Produktivität sowie zunehmend auf gesundheitlichen Aspekten wie Staubentwicklung, Lärm und Vibration. Neuheiten wie der weltweit leistungsstärkste kleine Winkelschleifer zeichnen sich beispielsweise durch eine verbesserte Ergonomie und einen hohen Anwenderschutz aus. Ein wichtiges Thema für den professionellen Handwerker ist zudem das Bestandsmanagement. Seit Herbst 2015 bietet Power Tools mit TrackMyTools eine cloudbasierte Lösung für die Verwaltung und Lokalisierung der Arbeitsmittel an. 

In den aufstrebenden Märkten gibt es eine große Anzahl von Erstnutzern von Elektrowerkzeugen. Diese Handwerker müssen zunächst davon überzeugt werden, dass ihnen ein Wechsel vom klassischen Handwerkzeug zum Elektrowerkzeug Vorteile bringt. Sie brauchen bezahlbare Elektrowerkzeuge, die robust sind und einfach gewartet werden können. Mit großem Engagement bearbeitet Power Tools die aufstrebenden Märkte wie China, Indien, Russland, Brasilien und Afrika. Nach erfolgreichen Pilotprojekten in China und Russland wird in diesen aufstrebenden Märkten jetzt sukzessive eine komplette Produktserie eingeführt. Auf die unterschiedlichen Anforderungen haben wir uns bei Power Tools auch organisatorisch eingestellt. Die Verantwortung für die entwickelten Märkte wie Westeuropa, Nordamerika und Japan liegt weiterhin in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart, die Zuständigkeit für die Schwellenländer jetzt in Shanghai, China.

Technisch gibt es sowohl bei der Kundengruppe der Heimwerker als auch der professionellen Anwender zwei übergreifende Trends. Dabei steigt die Nachfrage nach leistungsfähigen Akkugeräten. Zudem eröffnen die rasante Entwicklung des Internets und die zunehmende Verwendung von Smartphones und Tablets zusätzliche Möglichkeiten für intelligente Lösungen und Dienstleistungen.

Gerade bei Messgeräten ist die Vernetzung für Heimwerker und Handwerker ein wichtiges Thema. Beispielsweise können bei Laser-Entfernungsmessern mit integrierter Bluetooth-Schnittstelle die Messwerte schnell und einfach in die zugehörige App für Android- und iOS-Smartphones sowie -Tablets übertragen und dort weiterverarbeitet werden. Bei professionellen Messgeräten sind wir 2015 in das Geschäftsfeld der Temperaturmessung eingestiegen. Die neuen Thermodetektoren sind ebenfalls vernetzt.

Bei Elektrowerkzeugen für Heimwerker ermöglicht die optimale Abstimmung der maßgeblichen Bauteile wie Motor und Getriebe in Kombination mit einer intelligenten Elektronik, dem sogenannten Syneon-Chip, noch leistungsfähigere Akkugeräte. Auch bei immer mehr Gartengeräten kommt diese Technologie zum Einsatz. Hier sind im privaten Bereich handliche, leichte Akkugeräte mit hoher Leistung besonders gefragt. Der vernetzte Rasenmäher-Roboter Indego Connect mäht auf Basis der Wettervorhersage aus dem Internet.

 

Komplettübernahme BSH Hausgeräte

Wir haben den Unternehmensbereich Consumer Goods mit der im Januar 2015 vollzogenen Übernahme des früheren Gemeinschaftsunternehmens bei Hausgeräten erheblich gestärkt. 

BSH Hausgeräte passt in der strategischen und technologischen Ausrichtung hervorragend zu Bosch und unserem Anspruch „Technik fürs Leben“. Das Unternehmen setzt bei seinen Produkten auf Energieeffizienz, intelligente Technik, hohen Komfort und Bedienerfreundlichkeit und macht damit das Leben der Menschen weltweit leichter und angenehmer.

Dabei verfolgt BSH Hausgeräte eine ambitionierte Wachstumsstrategie. Durch eine differenzierte Markenstrategie sollen die unterschiedlichen Konsumentengruppen vom Einstiegssegment bis hin zur Luxusklasse bedient werden. Weiteres Ziel ist eine regionale Kundenorientierung aufgrund der erheblichen regionalen Unterschiede bei den Kundenbedürfnissen. Zur Unterstützung der strategischen Ausrichtung wurde die Organisation neu strukturiert. Kern war die Umstellung der Steuerung des Geschäfts von einer Produktbereichs- auf eine Regionenverantwortung. 

Diese stärkere regionale Ausrichtung gilt beispielsweise für China, einem wichtigen Wachstumsmarkt für BSH Hausgeräte. Hier entsteht eine neue Spülmaschinenfabrik. Die für den chinesischen Markt bestimmten Geschirrspüler sehen speziell geformte Geschirr- und Besteckkörbe vor, um Wok, Reis- oder Suppenschalen sowie Stäbchen optimal zu platzieren. Besondere Spülprogramme bedienen die Hygiene-Anforderungen der chinesischen Konsumenten. Mit dem Bau der neuen Fabrik gewinnt der in Chuzhou angesiedelte BSH Home Appliance Park weiter an strategischer Bedeutung. Von diesem Standort aus werden sowohl die Entwicklung neuester Technologien und Lösungen vorangetrieben als auch Synergie- und Effizienzpotenziale durch die Verzahnung mit verschiedenen anderen Produktionsstätten von BSH Hausgeräte erhöht. 

Vernetzung ist auch für BSH Hausgeräte ein wichtiges Zukunftsthema. Über die vom Unternehmen entwickelte Lösung Home Connect können unterschiedliche Hausgeräte selbst verschiedener Marken über eine App gesteuert werden. Ein Jahr nach der Markteinführung von Home Connect präsentierte BSH Hausgeräte 2015 auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) eine Vielzahl von vernetzten Geräten. Von 2018 an soll ein Großteil aller neuen Produkte vernetzt werden können, zum Teil auch kleine Hausgeräte. 

So können Wasch- und Spülmaschinen sowie Trockner ihre Aufgaben dank Vernetzung jetzt noch effizienter ausführen. Je nach Einstellung durch den Nutzer meldet Home Connect via Push-Nachricht, dass die Wäsche fertig ist oder die Spülmaschinen-Tabs zur Neige gehen. Die Einstellung FlexStart Option eignet sich dabei besonders für Haushalte, die einen Teil ihres Strombedarfs über eine dezentrale Energieversorgung wie beispielsweise eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach decken. Darüber hinaus gewährt die App jetzt auch über zwei Innenraumkameras von unterwegs aus einen Blick in den Kühlschrank. Zudem zeigte BSH Hausgeräte auf der IFA erstmals Ferndiagnose-Anwendungen bei technischen Problemen über die Home Connect-App. Auch bei der Entwicklung digitaler Lösungen geht das Unternehmen neue Wege und veranstaltete 2015 seinen ersten Hackathon. Rund 40 Personen nahmen an dem Entwicklungsmarathon teil und erarbeiteten drei Tage lang neue Ideen für die Verknüpfung von modernen Hausgeräten mit intelligenten Sensoren, Thermostaten, Wetterstationen oder Webcams. 

Ein wichtiger strategischer Schwerpunkt bleibt das Thema Energieeffizienz. Denn energieeffiziente Hausgeräte können wesentlich zum Klimaschutz und sparsamen Wasserverbrauch beitragen. Die heutigen Geräte von BSH Hausgeräte verbrauchen bis zu 75 % weniger Strom als Geräte vor 15 Jahren. 

Weitere Neuheiten des Jahres 2015 waren vor allem die neuen Induktionsfeldkocher mit Temperaturkontrolle, Waschmaschinen mit Aktivsauerstoff für hygienisch reine Wäsche auch bei Niedrigtemperaturen sowie eine neue Generation von Kühl-Gefrier-Kombinationen mit einem differenzierten Frischesystem. Bei Kleingeräten sind besonders Design und Lifestyle gefragt. Ein besonderer Erfolg sind dabei Kaffeeautomaten. 

 

Energy and Building Technology

Wir entwickeln den Unternehmensbereich mit dem Ziel weiter, ein Systemanbieter und Dienstleister für intelligente Energie- und Gebäudetechnik zu werden. Dazu haben wir vier Kernfelder definiert.

Vernetzte Produkte für den Privatkunden

Erstes Feld ist der Ausbau des Produktangebots der Geschäftsbereiche Security Systems und Thermotechnology für den privaten Immobiliennutzer. Hierbei spielen vernetzte Produkte und Lösungen eine zunehmende Rolle. So baute Security Systems unter anderem seine vernetzungsfähige Produktfamilie der AMAX-Einbruchmeldeanlagen für kleine bis mittlere Anwendungen aus. Thermotechnology stellte für Wohngebäude eine neue Generation vernetzter Heizgeräte vor. Mit mehr als 100 000 verkauften vernetzten Produkten ist Bosch ein führender Anbieter von Smart-Heating-Lösungen. Über das neue Portal „HomeCom“ erhalten Installationsbetriebe detaillierte Informationen über die vernetzten Heizsysteme und der Endkunde alle Informationen zu seiner Anlage, Verbrauchsdaten und individuelle Energieeffizienztipps. 

Ein Zukunftsfeld sind übergreifende vernetzte Lösungen rund um Haus und Wohnung. Marktexperten zufolge werden allein bis zum Jahr 2020 etwa 230 Millionen Haushalte weltweit mit Smart-Home-Technologien ausgestattet sein – das entspricht knapp 15 % aller Haushalte. Deshalb haben wir die Aktivitäten der Geschäftsbereiche Security Systems, Thermotechnology sowie der Tochtergesellschaft Bosch Software Innovations GmbH auf diesem Gebiet in der neuen Tochtergesellschaft Robert Bosch Smart Home GmbH zusammengefasst. Erste Produkte lassen sich seit Januar 2016 im Internet bestellen.

Die Smart-Home-Systemlösungen von Bosch ermöglichen es Nutzern, unter anderem Heizung, Beleuchtung, Rauchmelder und Hausgeräte über eine Plattform miteinander zu vernetzen und einfach per Smartphone oder Tablet zu bedienen. Auch die BSH Home Connect-App kann in diese Lösung integriert werden. Herzstück ist der Bosch Smart-Home-Controller, eine zentrale Steuereinheit, die die einzelnen Geräte mit dem Internet und miteinander vernetzt. Über die Bosch Smart-Home-App können Nutzer die Grundfunktionen der Geräte aus unterschiedlichen Anwendungsbereichen miteinander kombinieren. Bei der Vernetzung setzen wir auf offene Standards und offene Plattformen, um Technik so nutzerfreundlich wie möglich zu machen. Wir haben höchste Ansprüche an Datenschutz und Datensicherheit. Diese werden von Beginn an in der Produktentwicklung berücksichtigt. Unter anderem hierfür haben wir ein Center of Competence für Produktsicherheit eingerichtet. Kunden und Nutzer haben volle Transparenz und entscheiden selbst darüber, wie ihre Daten genutzt werden.

Produktlösungen und Services für den Gewerbekunden

Zwei weitere Felder sind Produktlösungen und Dienstleistungen für Gewerbekunden. Wir bauen das Klimatisierungsgeschäft aus. Mit dem chinesischen Technologieunternehmen Midea haben wir 2015 ein Joint Venture für die Fertigung von Variable-Refrigerant-Flow-Systemen (VRF) gegründet. VRF-Systeme werden für die Heizung und Klimatisierung von gewerblichen Gebäuden mittels variablem Kältemittelfluss eingesetzt. Die Fertigung startet im Frühjahr 2016. Damit kann Bosch künftig ein komplettes Portfolio von Heizung, Lüftung und Klimatisierung anbieten.

Ein Beispiel für eine Produktlösung für Gebäude im gewerblichen Bereich ist das Building Integration System (BIS), das die zentrale Überwachung und Steuerung von Sicherheitseinrichtungen und Brandschutzanlagen deutlich vereinfacht und vereinheitlicht. Mit EffiLink bieten wir eine Systemplattform als technische Basis für Services wie die Fernüberwachung und Fernwartung von Gebäudeanlagen. Mit der neuen Produktfamilie Master Energy Control (MEC System) hat Bosch eine Systemregelung für Energie-Großanlagen im Angebot. Damit können Industriekunden Kessel, Blockheizkraftwerk und Speicher zu einem effizienten Energiesystem kombinieren und über eine intuitive Bedienoberfläche steuern. Für Energieversorger und gewerbliche Kunden entwickelt Bosch schlüsselfertige Speicherlösungen. Dazu gehört das Projekt „Second Life Batteries“, gemeinsam mit BMW und Vattenfall. In Hamburg werden hier gebrauchte Batterien aus Elektrofahrzeugen zu einem großen Stromspeicher zusammengeschaltet. 

Im Bereich der Gebäudedienstleistungen haben wir unsere Aktivitäten gebündelt, um noch schlagkräftiger aufzutreten. Zum Jahresbeginn 2016 haben wir das gewerbliche Dienstleistungsgeschäft der Einheit Gebäudesicherheit im Geschäftsbereich Security Systems mit der Tochtergesellschaft Bosch Energy and Building Solutions GmbH sowie den Anfang 2015 erworbenen Gebäudedienstleister Climatec in der neuen Geschäftseinheit International Integrator Business zusammengefasst.

 
Neuer Geschäftsbereich für Service Solutions

Das vierte Feld Business Process Management umfasst Services bei Geschäftsprozessen für externe und interne Kunden. Zum Jahresanfang 2016 haben wir dazu den neuen Geschäftsbereich Bosch Global Service Solutions gegründet. Als Basis der Neuorganisation diente das bereits vorhandene weltweite Servicenetz des Geschäftsbereichs Security Systems für Geschäftsdienstleistungen. Im Frühjahr 2016 werden wir einen weiteren Standort für Unternehmensdienstleistungen in Leipzig mit zunächst rund 200 Arbeitsplätzen als vierten deutschen Standort eröffnen. Aktuell bieten rund 6 000 Servicebeschäftigte an 23 Standorten weltweit Dienstleistungen in mehr als 30 Sprachen an. Sie richten sich unter anderem an Kunden der Automobil-, Reise- und Logistikbranche sowie der Informations- und Kommunikationstechnik. 

 
Cross-Selling mit wachsender Bedeutung

Im Unternehmensbereich Energy and Building Technology werden unsere übergeordneten Cross-Selling-Aktivitäten koordiniert. Hier bieten wir Lösungen, die sich insbesondere an Kundensegmente wie Bergbau, Hotels, große Stadien, Flughäfen, Automobilproduktion, Bahnhöfe und Theater richten. Im Fokus standen zunächst Projekte unter anderem in den Branchen Bergbau, Theater und Automobilproduktion. Künftig sollen zusätzliche Projekte in den Branchen Pharma, Nahrungsmittel und Gewerbegebäude akquiriert werden. Ein großes Potenzial sehen wir darüber hinaus bei Lösungen und Dienstleistungen für Smart Cities. 

 

Zukunft im Blick

 
Bosch auf dem Weg zum IoT-Unternehmen

Wir haben das Ziel, eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich des Internets der Dinge (IoT) zu werden. Dabei sind wir auf allen drei Ebenen der Vernetzung tätig: intelligenten und vernetzten Geräten, Softwareplattformen sowie Anwendungen und Dienstleistungen, um dem Kunden zusätzlichen Nutzen zu bieten. Bereits mehr als 40 % unserer Produktklassen sind internetfähig, mit stark steigender Tendenz. Eine Schlüsseltechnologie für die Vernetzung sind MEMS-Sensoren, bei denen wir über eine große Expertise verfügen. 

Darüber hinaus verfügen wir über unsere eigene Softwareplattform, die Internet-of-Things-Suite, die unsere Tochtergesellschaft Bosch Software Innovations entwickelt hat. Diese IoT-Suite ist eine umfassende Softwarelösung, mit der sich Anwendungen im Internet der Dinge entwickeln, bereitstellen und betreiben lassen. Die Kapazität dieser Plattform konnten wir in den vergangenen Jahren vervielfachen. Wir stärkten 2015 zudem den Bereich durch die Übernahme der Firma ProSyst Software GmbH, Köln. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung sogenannter Gateway-Software und Middleware für das Internet der Dinge spezialisiert, die das Zusammenspiel vernetzter Geräte in den Bereichen Smart Home, Industrie 4.0 oder vernetzter Mobilität erleichtern.

Außerdem bauen wir unser Wissen auf dem Gebiet der maschinellen Datenauswertung (Data Mining) weiter aus. Ein Expertenteam arbeitet ausschließlich an solchen Aufgaben und unterstützt damit die Kollegen in den Unternehmensbereichen bei der Umsetzung entsprechender Projekte. Die Daten-Experten sitzen vornehmlich in Palo Alto, also direkt im Silicon Valley in Kalifornien, und im indischen Bengaluru. Zu den internationalen Kooperationspartnern von Bosch auf diesem Gebiet zählen die Stanford University und die University of Pittsburgh. Um diese Kompetenzen erfolgreich zu nutzen, stärken wir auch unsere Fähigkeiten, neue Geschäftsmodelle gerade in Bezug auf Dienstleistungen zu entwickeln. Dazu haben wir eine neue Zentraleinheit geschaffen, um das Methodenwissen im gesamten Unternehmen zur Verfügung zu stellen, beispielsweise im Bereich des automatisierten Parkens oder der Robotik. Bei den Produkten und Dienstleistungen selbst geht es in hohem Maße um den Kundennutzen. Unsere Zentralabteilung User Experience unterstützt die Bereiche, moderne Methoden zur Produktentwicklung gemeinsam mit den Kunden im Unternehmen zu nutzen. 

Dabei sind wir überzeugt, dass große Unternehmen wie Bosch Freiräume für mehr Gründergeist schaffen müssen. Deshalb verfügen wir über eine eigene Start-up-Plattform. Die Robert Bosch Start-up GmbH, Stuttgart, unterstützt Bosch-Entwicklungsteams, erfolgreiche Unternehmer zu werden. Sie kümmert sich beispielsweise um Räume, Finanzierung und andere administrative Aufgaben. Ein Beispiel ist das Start-up beim Agrarroboter Bonirob. Das Team von Deepfield Robotics entwickelt diesen kleinwagengroßen Roboter zur Unterstützung der Pflanzenzucht und Kultivierung von Ackerflächen.

 
Neuer Forschungscampus Renningen

Im Herbst 2015 haben wir den neuen Forschungscampus in Renningen bei Stuttgart eröffnet. Er ist für uns ein Leuchtturmprojekt, in das wir rund 310 Millionen Euro investierten. Mit dem Campus wollen wir die übergreifende Zusammenarbeit und unsere Innovationskraft weiter stärken. Er soll zu einem der Knotenpunkte des weltweiten Forschungs- und Entwicklungsnetzwerks von Bosch mit rund 55 800 Beschäftigten werden, davon inzwischen rund 42 % außerhalb Europas. Insgesamt 1 200 Beschäftigte der zentralen Forschung und Vorausentwicklung sowie 500 Doktoranden und Praktikanten arbeiten allein in Renningen an den technischen Herausforderungen der Zukunft. Zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit zählen beispielsweise die Bereiche Sensorik, Automation, Fahrerassistenzsysteme und Batterietechnologie sowie verbesserte Antriebssysteme für Fahrzeuge. Darüber hinaus erweitern wir die grundlegende Softwarekompetenz – gerade auch für die Vernetzung im Internet der Dinge. 

Besonderes Augenmerk haben wir auf attraktive Arbeitsbedingungen gelegt. In allen Gebäuden und im gesamten Außenbereich gibt es WLAN-Verbindungen. Laptops, Tablets und Internettelefonie machen das Arbeiten in jeder Ecke des Campus möglich. Die Gestaltung der Büros basiert auf der umfangreichen Analyse des Innovationsprozesses. Aus den gemeinsamen Diskussionen mit allen Beteiligten entstand ein völlig neues Bürokonzept.

 

Arbeiten in der Bosch-Gruppe

 
Vielfalt als Erfolgsfaktor

Mit unserer Personalarbeit unterstützen wir unsere Unternehmensstrategie. Nur ein modernes Arbeitsumfeld macht es möglich, den Wettbewerb um die besten Köpfe und Lösungen zu gewinnen, um so nachhaltig erfolgreich zu sein. Aufgrund der Breite unserer Aufstellung und unserer Internationalität bieten wir vielfältige Einsatzmöglichkeiten in unserem internationalen Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk, in einem globalen Fertigungsverbund sowie unterschiedlichste Verwaltungs- und Vertriebsaufgaben – und das vom Start-up bis hin zur Konzernfunktion. Dabei stehen gleichwertig Fach-, Führungs- und Projektlaufbahn nebeneinander. Zudem sind wir überzeugt: Gemischte Teams mit Männern und Frauen, unterschiedlichen Generationen und Lebensstilen sowie mit verschiedener Herkunft fördern Spitzenleistungen und steigern die Innovationskraft. Weltweit beschäftigen wir dabei Menschen mit insgesamt mehr als 150 Nationalitäten.

Allein 2015 haben wir weltweit mehr als 16 000 Akademiker eingestellt (noch ohne BSH Hausgeräte). Unter diesen Einstellungen waren zu mehr als einem Viertel IT-Spezialisten. Unseren Bedarf an Führungskräften decken wir überwiegend aus den eigenen Reihen. Bei unserem Ziel, den Anteil internationaler Führungskräfte in den Regionen und von Frauen in Führungspositionen im Gesamtunternehmen zu steigern, kommen wir voran. Der Anteil der regionalen Führungskräfte beträgt bereits rund 80 % in der überwiegenden Zahl unserer Fokusländer. Zudem wird das Ziel eines Frauenanteils in Führungspositionen von 20 % in einer Reihe von Ländern wie China oder Spanien schon übertroffen. 

Bereits seit mehr als 15 Jahren verfügt Bosch über ein Seniorexperten-Modell. Neben Deutschland hat die Bosch Management Support GmbH, Leonberg, Dependancen im Vereinigten Königreich, Österreich, der Türkei, den USA, Mexiko, Brasilien, Japan und Indien. Aktuell stellen 1 700 frühere Beschäftigte ihre Erfahrung und Expertise zur Verfügung, wenn kurzfristig professionelle Beratung gefragt ist. Aber Erfahrungsaustausch ist für uns keine Einbahnstraße. In Reverse-Mentoring-Programmen tauschen junge mit älteren Beschäftigten Wissen zu Themen wie der Nutzung neuer IT-Werkzeuge aus. 

 
Schaffung attraktiver Arbeitswelten

Wir haben das Ziel, attraktive Beschäftigungsmodelle für alle Beschäftigten zu schaffen und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu unterstützen. Dazu nutzen unsere Beschäftigten und auch Führungskräfte im indirekten Bereich bereits eine Vielzahl zeitlich und örtlich flexibler Arbeitsmodelle. In Pilotprojekten untersuchen wir zudem, wie wir eine flexible Arbeitskultur in der Produktion und im produktionsnahen Umfeld stärken können. Hier sehen wir große Chancen durch die vernetzte Industrieproduktion der Zukunft. Hinzu kommen Kinderbetreuungsangebote im Umfeld unserer Standorte. Neben Auslandsaufenthalt oder Funktionswechsel werten wir Familienzeit als einen Karrierebaustein, sei es für Phasen der Kinderbetreuung oder der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger. 

Darüber hinaus entwickeln wir unter dem Namen „Inspiring Working Conditions“ Konzepte für die Arbeitswelt der Zukunft. Erste Feldtests haben so überzeugende Ergebnisse geliefert, dass das Konzept schrittweise weltweit bei allen Neu- und Umbauten an Bosch-Standorten angewandt wird. Das gilt auch für den Fertigungsbereich. Künftig wollen wir zur Entlastung unserer Beschäftigten verstärkt „Associates Services“ an den Standorten einführen, wie zum Beispiel Gesundheitszentren mit Fitnessmöglichkeiten oder Einkaufsservices. 

Wir legen zudem Wert auf Freiräume für Kreativität. So haben beispielsweise die Entwickler in der Zentralen Forschung und Vorausentwicklung eine sogenannte Concept Time von vier Stunden pro Woche, um sich auch mit Ideen über ihren Arbeitsbereich hinaus zu befassen. Aber die Kreativität aller Bosch-Beschäftigten ist gefragt. Bereits 1924 führte der Firmengründer Robert Bosch Betriebsvorschlagsbücher ein. Heute können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in vielfältiger Weise ihre Ideen für neue Produkte, aber auch Verbesserungen von Prozessen und Dienstleistungen einbringen. Dies erfolgt immer häufiger auf der internen Social-Business-Plattform Bosch Connect.

Außerdem befassen wir uns auch mit neuen Anforderungen an Führung und Zusammenarbeit. Damit geht es um die Frage, wie die Wandlungsfähigkeit und -geschwindigkeit im Unternehmen gesteigert werden können. Eine wichtige Basis für die Gestaltung des Wandels sind unsere weltweiten Mitarbeiterbefragungen, die wir alle zwei Jahre durchführen. In der jüngsten Umfrage haben sich 83 % der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter positiv zur Aussage geäußert „Ich bin stolz darauf, in der Bosch-Gruppe zu arbeiten“. 

Gleichzeitig tragen wir mit der Weiterentwicklung unseres Vergütungssystems den steigenden Anforderungen an Eigeninitiative, bereichsübergreifende Zusammenarbeit und unternehmerische Handlungsspielräume Rechnung. Zum Jahresanfang 2016 haben wir deshalb weltweit unser Vergütungssystem für Fach- und Führungskräfte umgestellt. Der neue Bosch Performance Bonus als variabler Vergütungsbestandteil orientiert sich jetzt ausschließlich am Bereichs- und Unternehmenserfolg. Die individuelle Leistungsdifferenzierung erfolgt noch konsequenter über das Grundeinkommen. Kriterien sind langfristige Leistung, Aufgabenwertigkeit und Orientierung am Arbeitsmarkt. Damit stärken wir bereichsübergreifendes Arbeiten sowie eine Führung, die von Wertschätzung und Vertrauen getragen wird und offenes Feedback fördert. 

 
Aus- und Weiterbildung von hoher Bedeutung

Einen hohen Stellenwert hat bei Bosch traditionell die Aus- und Weiterbildung. Weltweit absolvierten 2015 mehr als 7 300 junge Menschen eine Ausbildung in der Bosch-Gruppe. Damit liegen wir auf dem hohen Niveau der Vorjahre. Durch die starke Verankerung der dualen Ausbildung in Firmen und Schulen ist Deutschland ein Schwerpunkt mit insgesamt rund 4 900 Auszubildenden. An unseren weltweiten Standorten haben wir zudem zahlreiche eigene Ausbildungszentren gerade für technische Qualifikationen. Dazu gehören unter anderem Standorte in Frankreich, der Türkei, Indien, China und Vietnam, aber auch in Brasilien und Nordamerika. Themen wie Software und IT-Wissen und Industrie 4.0 spielen ebenfalls in der Aus- und Weiterbildung eine wachsende Rolle. 

Um die Integration von Flüchtlingen in Deutschland zu unterstützen, planen wir, 2016 in einem ersten Schritt rund 400 Praktika in Deutschland anzubieten. Dabei können wir auf die Erfahrungen des Programms für südeuropäische Jugendliche zurückgreifen. Wir hatten bereits 2014 rund 100 zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen, rund die Hälfte in den jeweiligen Herkunftsländern und rund die Hälfte in Deutschland, um einen praktischen Beitrag zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa zu leisten. 

Gleichzeitig spielen das Kompetenzmanagement und die Weiterqualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit jeher in der Bosch-Gruppe eine große Rolle. Im Jahr 2015 investierten wir hier einschließlich Automotive Steering und BSH Hausgeräte rund 250 Millionen Euro. Dabei gewinnen neben klassischen Präsenzschulungen neue, elektronische Lernformen an Bedeutung. Mit dem Robert Bosch Kolleg verfügen wir zudem über eine Institution, die Weiterbildung auf Hochschulniveau für Fach- und Führungskräfte bietet.

Umfangreiche Programme für Praktika von Studierenden, Stipendienprogramme, PreMaster-Programme und auch Doktorandenprogramme ergänzen diese Aktivitäten. In unseren Traineeprogrammen, dem Junior Managers Program und dem Graduate Specialist Program, bilden wir gezielt Nachwuchsführungs- und -fachkräfte aus. Wir pflegen zudem weltweit vielfältige Kooperationen mit Hochschulen. Mit dem im Jubiläumsjahr 2011 aufgelegten Bosch InterCampus Programm im Gesamtvolumen von 50 Millionen Euro fördern wir Universitäten und Forschungsprojekte in Deutschland, den USA und China zu den Themen Umwelt, Energie und Mobilität sowie zur Softwareentwicklung in Indien.

Wirtschaftsbericht

 

Insgesamt entwickelte sich die Bosch-Gruppe trotz eines 2015 abgekühlten konjunkturellen Umfelds erfolgreich. Die Übernahmen der früheren Gemeinschaftsunternehmen in den Bereichen Lenkungen für Kraftfahrzeuge sowie Hausgeräte bewirkten einen Umsatzsprung. Auch operativ erhöhten sich Umsatz und Ergebnis deutlich. Dabei war die Entwicklung nach Unternehmensbereichen und auch nach Regionen sehr unterschiedlich. Besonders erfolgreich waren die Unternehmensbereiche Mobility Solutions und Consumer Goods. Auch der Unternehmensbereich Energy and Building Technology konnte seine Geschäftszahlen gegenüber dem Vorjahr signifikant verbessern. Dagegen leidet der Unternehmensbereich Industrial Technology in Teilen seines Geschäfts erheblich unter einem sehr schwachen Marktumfeld. Regional entwickelten sich die Umsätze in Nordamerika besonders gut; auch das Umsatzwachstum in Europa zog an. Dagegen kam das Umsatzwachstum in Asien-Pazifik nicht an die Vorjahre heran. Sehr schwierig war erneut die Lage in Südamerika.

Steuerungssystem 

 
Bosch Value Concept als Basis der Steuerung

Das Bosch Value Concept verfolgt die Bosch-Kernziele profitables Wachstum und finanzielle Unabhängigkeit. Die Steuerungssystematik verbindet die Wertschaffung mit der Wertsicherung. Gerade für ein nicht börsennotiertes Unternehmen wie die Bosch-Gruppe sind Ausbau und nachhaltiger Erhalt der Ertragskraft entscheidend für die Finanzierung des zukünftigen Wachstums. 

Wesentliche Steuerungsgrößen für die Wertschaffung sind Umsatzwachstum, Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern (EBIT) sowie als interner Indikator der Operative Wertbeitrag. Er wird analog zum EBIT ermittelt, zusätzlich werden aber Kapitalkosten auf das Umlauf- und Anlagevermögen abgezogen. Das interne Berichtswesen richtet sich dabei grundsätzlich nach den International Financial Reporting Standards (IFRS). In einzelnen Punkten wie der Berücksichtigung von außerplanmäßigen Abschreibungen, von Pensionsrückstellungen sowie Rückstellungen für Verluste aus Lieferverpflichtungen weicht es jedoch von der externen Rechnungslegung ab. Wir bereinigen die mit diesen Faktoren verbundenen Ergebnisschwankungen für die operative Steuerung und die Incentivierung der Führungskräfte. Die Wertsicherung wird über eine enge Verfolgung der Kostenentwicklung sowie ein Liquiditätsmanagement erreicht, zu dem eine zentrale Finanzplanung gehört. 

Zentrales, internes Berichtsinstrument ist ein monatlicher Geschäftsbericht, der einen zeitnahen Überblick über die Kennzahlen der Geschäftseinheiten gibt. Er bietet einen Vorjahres-Vergleich sowie für die zentralen Kenngrößen einen Plan-Ist-Vergleich. Grundlage ist der Wirtschaftsplan, der in eine längerfristige strategische Unternehmensplanung eingebettet ist. Dabei wurde mit der Wirtschaftsplanung für das Jahr 2016 der „Target Business Plan“ eingeführt. Durch ihn wird der Prozess der konzernweiten Wirtschaftsplanung erheblich vereinfacht und beschleunigt sowie der Planungsaufwand reduziert. Der Fokus liegt darauf, Maßnahmen zur Zielerreichung zu erarbeiten und umzusetzen. Ausgangspunkt der Planung sind externe Benchmark-Vergleiche. An den davon abgeleiteten Zielen orientieren sich auch die Wertbeitragsziele, die von 2016 an die alleinige Grundlage für den ergebnisabhängigen Teil der variablen Vergütung der Fach- und Führungskräfte von der Gruppenleiterebene bis zur Geschäftsführung bilden. 

 

Rahmenbedingungen

 
Schwaches wirtschaftliches Umfeld

Die globale Wirtschaftsleistung gemessen am weltweiten Bruttoinlandsprodukt stieg 2015 lediglich um 2,5 %. Die wirtschaftliche Dynamik schwächte sich im Jahresverlauf ab. Damit blieb der Zuwachs hinter unserer bereits vorsichtigen Prognose von 2,7 % zurück und lag auch unter dem Niveau des Vorjahres sowie dem langfristigen Trend von 3,3 %. Grund war vor allem die Wachstumsschwäche in den Schwellenländern.

Allerdings konnten die Industrieländer wie erwartet ihre Wirtschaftsleistung um rund 2 % steigern. Dazu trug eine robuste Dynamik in den USA mit einem Wachstum von 2,4 % bei. Zudem entwickelte sich in der Europäischen Union die Wirtschaftsleistung mit einem Wachstum von 1,9 % besser als erwartet. Bei unserer Prognose waren wir nur von einem Zuwachs von 1,3 % ausgegangen. Das Wirtschaftswachstum in Deutschland übertraf mit 1,7 % ebenfalls die Erwartungen. Stärkere Impulse kamen zudem aus Spanien. Italien und Frankreich legten leicht zu. Das Wachstum in Europa insgesamt erreichte 1,4 % und übertraf damit ebenfalls leicht die Erwartungen. Gegenüber der Entwicklung in der Europäischen Union wirkten sich die Rezession in Russland und das schwache Wachstum in der Türkei jedoch dämpfend aus. 

Die Dynamik in den Schwellenländern ließ erheblich nach. Das Wachstum blieb mit rund 3,5 % unter unserer bereits vorsichtigen Einschätzung von gut 4 %. Wichtige Faktoren waren das verlangsamte Wachstum in China sowie die Rezession in Südamerika und in Russland. Dies konnte das leicht verbesserte Wachstum in Indien nicht ausgleichen. Auch in Afrika fielen die Zuwachsraten geringer aus.

An den Rohstoffmärkten gingen 2015 die Notierungen vor allem für Öl und andere Energieträger im Jahresverlauf weiter zurück. Außerdem verzeichneten die Preise bei Industrie- und Edelmetallen deutliche Abschläge. Hauptgründe waren das verlangsamte Wachstum in den Schwellenländern, speziell in China, sowie ein großes Angebot bei Öl und Gas. Der Euro notierte deutlich schwächer

als im Vorjahr gegenüber dem US-Dollar und weiteren für uns wichtigen Währungen wie dem chinesischen Renminbi sowie dem britischen Pfund.

Verhalten entwickelten sich für uns wichtige Kernmärkte. Die Kraftfahrzeugproduktion inklusive schwerer Nutzfahrzeuge stieg nur um rund 2 % auf rund 92 Millionen Einheiten. Damit unterschritten die Produktionszahlen unsere Erwartungen von 93 Millionen Fahrzeugen. Die Produktionszahl bei schweren Nutzfahrzeugen erreichte dabei 2,8 Millionen Einheiten nach 3,1 Millionen Einheiten im Vorjahr. 

Ein Grund für die schwache Entwicklung 2015 war die geringe Dynamik in China, auch wenn sie im letzten Quartal aufgrund von Steuersenkungen wieder anzog. Dort erhöhte sich die Produktion im Gesamtjahr lediglich um rund 4,5 % und blieb damit weit unter den Wachstumsraten früherer Jahre. In Japan ging die Automobilproduktion zurück, während die indische Automobilproduktion nach dem schwachen Jahr 2014 wieder anzog. Auch in Nordamerika war das Wachstum nur moderat; in Südamerika brachen die Produktionszahlen erneut ein. In Europa wurden zwar insgesamt geringfügige Steigerungen erreicht. Diese resultieren aber ausschließlich aus dem kräftigen Plus von rund 6,5 % in der Europäischen Union, während die Fertigungszahlen in Mittelosteuropa, vor allem in Russland, erheblich fielen.

Sehr enttäuschend waren die Produktionszahlen im Maschinenbau. Weltweit legten sie nur um rund 0,5 % zu und blieben damit weit hinter unseren Erwartungen eines Zuwachses von rund 4 % zurück. Dies betraf alle großen Regionen. In Europa waren die Produktionszahlen leicht rückläufig, in Amerika nur aufgrund einer einigermaßen stabilen Entwicklung in den USA leicht positiv. In Asien reichte der Zuwachs wegen des deutlich abgekühlten Wachstums mit rund 2 % bei Weitem nicht an die Wachstumsraten der Vergangenheit heran.

Das Wachstum des globalen Privaten Verbrauchs erreichte 2015 rund 2,3 %. Trotz des niedrigen Ölpreises war die Konsumdynamik nur auf Vorjahresniveau und damit schwächer als von uns erwartet. Etwas günstiger entwickelte sich der Konsum im für Bosch wichtigen europäischen Markt, insbesondere in den von der Schuldenkrise besonders betroffenen südlichen Ländern. 

Der Zuwachs der globalen Bautätigkeit war geringer als erwartet. Der Anstieg lag mit 3,4 % unter dem Niveau von 2014 von rund 4 %. Der Grund liegt vor allem in der verhaltenen Entwicklung in den Schwellen-

ländern, allen voran in China sowie in Südamerika. Aber auch in der Europäischen Union fiel die Dynamik schwächer als im Vorjahr aus. Sehr kräftig stiegen dagegen die Bauinvestitionen in den USA.

Geschäftsverlauf und Umsatzentwicklung

 

Bosch-Gruppe insgesamt stark gewachsen

In der Bosch-Gruppe steigerten wir den Umsatz auf 70,6 Milliarden Euro. Dies ist ein Umsatzsprung von 44 % gegenüber dem Niveau von 49 Milliarden Euro im Vorjahr. Operativ und damit im Vergleich zur Pro-Forma-Zahl für 2014 unter vollständiger Einbeziehung der Teilkonzerne Automotive Steering und BSH Hausgeräte steigerten wir den Umsatz um nominal rund 10 %. Wechselkursbereinigt konnten wir gegenüber den Pro-Forma-Angaben für 2014 den Umsatz um 3,8 % verbessern und lagen in unserem Zielkorridor von 3 bis 5 % für 2015. Automotive Steering wird dabei in den Werten für 2015 für elf Monate vollkonsolidiert.

Die positiven Wechselkurseffekte summieren sich auf vergleichbarer Basis auf rund 4 Milliarden Euro. Die größten positiven Wechselkurseffekte verzeichneten wir aufgrund der Euroschwäche gegenüber dem US-Dollar, dem chinesischen Renminbi, dem britischen Pfund und dem Schweizer Franken. Die Wechselkursbelastungen waren im Vergleich dazu gering und beziehen sich insbesondere auf den russischen Rubel, die türkische Lira und den brasilianischen Real.

Die Umsatzeffekte aus der Vollkonsolidierung der zuvor nach der Equity-Methode bilanzierten früheren Gemeinschaftsunternehmen BSH Hausgeräte und Automotive Steering belaufen sich 2015 auf 16,5 Milliarden Euro. Weitere nennenswerte positive Umsatzeffekte von rund 180 Millionen Euro ergaben sich aus der erstmaligen Einbeziehung von Climatec. Dem steht vor allem der Verkauf der Großgetriebeaktivitäten des Geschäftsbereichs Drive and Control Technology gegenüber, der beim Umsatzausweis allerdings im Wesentlichen erst 2016 wirksam wird. Getrennt hatten wir uns zudem im Dezember 2014 von unserer Geschäftseinheit Garden and Watering, Peoria/Illinois, USA. Insgesamt summieren sich die Konsolidierungseffekte auf netto 16,6 Milliarden Euro.

 

Regionale Umsatzstruktur vergleichbar

Die erstmalige vollständige Einbeziehung von Automotive Steering und BSH Hausgeräte hat keine größeren Auswirkungen auf die Umsatzstruktur nach Regionen.

Wir erzielten in Europa im Jahr 2015 rund 37,3 Milliarden Euro Umsatz und damit erneut rund 53 % unseres Gesamtumsatzes. Auf vergleichbarer Basis konnten wir unseren Umsatz um rund 3,8 % steigern und damit stärker als in den Vorjahren. Auf Amerika insgesamt entfiel mit einem Gesamtumsatz von 14,1 Milliarden Euro erneut ein Umsatzanteil von rund 20 %. Dabei steigerten wir in Nordamerika auf vergleichbarer Basis den Umsatz um 25 %, wechselkursbereinigt um 6,7 %. Dagegen ging der Umsatz in Südamerika auf vergleichbarer Basis um 13 % zurück und lag wechselkursbereinigt um 3,7 % unter Vorjahr. Der Anteil von Asien-Pazifik (einschließlich sonstiger Länder) am Gesamtumsatz blieb mit 19,2 Milliarden Euro bei rund 27 % weitgehend konstant. Hier wirkt sich allerdings aus, dass der Umsatz zwar in Euro erneut gegenüber der vergleichbaren Vorjahresbasis um 17 % wuchs, wechselkursbereinigt aber nur um 2,8 % zulegte. Hauptgrund war die verhaltene Entwicklung in China. 

 

Sektorale Umsatzstruktur erheblich verändert

Erhebliche Verschiebungen gab es dagegen bei der Umsatzstruktur nach Unternehmensbereichen durch die Einbeziehung von Automotive Steering in den Unternehmensbereich Mobility Solutions und insbesondere durch die Vollkonsolidierung des Teilkonzerns BSH Hausgeräte im Unternehmensbereich Consumer Goods. Der Unternehmensbereich Mobility Solutions kommt jetzt auf einen Umsatz von 41,7 Milliarden Euro gegenüber rund 33 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Anteil am Gesamtumsatz sinkt allerdings auf 59 %, weil der Unternehmensbereich Consumer Goods seinen Umsatz auf mehr als 17 Milliarden Euro vervierfachte. Auf ihn entfällt ein Umsatzanteil von 25 %. Die Umsatzanteile von Industrial Technology und von Energy and Building Technology liegen jetzt bei 9 % beziehungsweise 7 %.

Auch gegenüber den Pro-Forma-Zahlen für 2014 inklusive Automotive Steering und BSH Hausgeräte konnten die Unternehmensbereiche Mobility Solutions und Consumer Goods ihre Umsätze im Vergleich zu den anderen Unternehmensbereichen am stärksten steigern. Mobility Solutions schnitt damit wie erwartet ab, Consumer Goods besser als erwartet.

Unterschiedliche Entwicklung nach Segmenten

Mobility Solutions gut gewachsen

Der Unternehmensbereich Mobility Solutions erhöhte gegenüber der Pro-Forma-Angabe für 2014 inklusive Automotive Steering seinen Umsatz um rund 12 % auf 41,7 Milliarden Euro, wechselkursbereinigt um 4,6 %. Er entwickelte sich damit deutlich besser als die weltweite Automobilproduktion und profitierte von der guten Nachfrage nach effizienten Antriebssystemen sowie der erheblich steigenden Marktnachfrage nach Fahrerassistenzsystemen und modernen Anzeige- und Infotainmentsystemen. In allen Segmenten waren wir mit einer Vielzahl von Innovationen und Weiterentwicklungen erfolgreich. 

Besonders gefragt waren in der Antriebstechnik auch 2015 die Benzin-Direkteinspritzung, Motorsteuerungen, Getriebesteuerungen, Komponenten für Luftsteuerung sowie Sensoren. In der Dieseltechnik konnten wir vor allem durch den weiteren Hochlauf moderner Einspritz- und Abgasnachbehandlungssysteme unseren Umsatz steigern. Car Multimedia profitierte insbesondere von der guten Nachfrage nach Anzeige- und Infotainmentsystemen. Bei Startern und Generatoren entwickelten sich neue Produktgenerationen und eine wachsende internationale Nachfrage bei Start-Stopp-Systemen vorteilhaft. Bei Electrical Drives zahlen sich Innovationen bei eScooter-Motoren und dem Engine Compartment Actuator aus, einer neuen Bosch-Plattform für elektronisch kommutierte Motoren. Erfolgreich waren wir zudem erneut mit Antriebssystemen und Steuerungseinheiten für Fahrräder mit elektrischem Zusatzantrieb (eBike). Auch die Entwicklung bei Bremsregelsystemen war günstig. Darüber hinaus waren elektrische Lenksysteme bei Personenwagen sehr gefragt. Den Absatz erheblich steigern konnten wir zudem bei Sensoren. Verhaltener war dagegen das Ersatzteilgeschäft, auch wenn es insgesamt leicht anzog; Zuwächse erzielten wir insbesondere in Westeuropa und Südamerika. 

 

Industrial Technology leidet unter Markteinbruch

Der Unternehmensbereich Industrial Technology spürte die rückläufige Marktentwicklung in wichtigen Maschinenbausegmenten. Der Umsatz sank nominal um 1,6 % auf 6,6 Milliarden Euro, wechselkursbereinigt um 6,5 %. Die unbefriedigende Entwicklung ist auf den Geschäftsbereich Drive and Control Technology zurückzuführen, speziell den Bereich Mobile Anwendungen. Grund sind die erheblichen Marktrückgänge bei Bau- und Landwirtschaftsmaschinen sowie im Bereich Mining. Die Hersteller dieser Maschinen reduzieren ihre Kapazitäten, verlagern Werke an Niedrigkostenstandorte oder schließen sie. Darüber hinaus ist in China, dem weltweit größten Markt, der Absatz für Baumaschinen eingebrochen. Bei industriellen Anwendungen haben für Bosch wichtige Branchen wie Mining, Offshore oder Metallurgie aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise Investitionen verschoben. Der Markt für Fabrikautomation zeigte sich dagegen stabil und bot 2015 Wachstumschancen, die der Geschäftsbereich auch mit dem Rückenwind durch Industrie 4.0 nutzen konnte. 

Das Geschäft mit Verpackungsmaschinen entwickelte sich positiv; der Auftragseingang zog kräftig an. Regional besonders günstig war die Umsatzentwicklung in Asien-Pazifik. Das stärkste Wachstum erzielten wir bei Verpackungsmaschinen für die Süßwaren- und Nahrungsmittelindustrie sowie mit Serviceleistungen.

 
Consumer Goods nutzt Marktchancen

Im Unternehmensbereich Consumer Goods stieg der Umsatz gegenüber der Pro-Forma-Angabe für 2014 inklusive BSH Hausgeräte um nominal rund 10 % auf 17,1 Milliarden Euro, wechselkursbereinigt um 5,7 %. Power Tools und BSH Hausgeräte entwickelten sich ähnlich günstig. Besonders erfolgreich war Power Tools mit seinen leistungsstarken Akkugeräten sowie im Bereich Messtechnik. Gut war auch die Nachfrage nach Geräten der Marke Dremel sowie nach Zubehör. Gerade in Nordamerika und Westeuropa entwickelten sich die Umsätze erfreulich, nicht so günstig dagegen in den großen Schwellenländern Brasilien und Russland. BSH Hausgeräte kam der weltweit kräftig gewachsene Weltmarkt für Hausgeräte zugute. Basierend auf ihrer Wachstumsstrategie verzeichnete BSH Hausgeräte in nahezu allen Regionen weltweit eine positive Entwicklung. Besondere Erfolge konnten mit Innovationen wie zum Beispiel neuen Herdreihen erzielt werden.

 

Energy and Building Technology gewinnt an Dynamik

Der Unternehmensbereich Energy and Building Technology mit den Geschäftsbereichen Security Systems und Thermotechnology konnte seinen Umsatz deutlich stärker steigern als im Vorjahr. Die Erlöse erhöhten sich um nominal 11 % auf 5,1 Milliarden Euro, wechselkursbereinigt um 7,2 %. Die verbesserte Dynamik gilt für beide Geschäftsbereiche. Security Systems steigerte seinen Umsatz trotz unverändert schwieriger Entwicklungen in Russland, China und in Brasilien, wovon insbesondere das Produktgeschäft betroffen war. Besonders gefragt waren IP-basierte Videosysteme und Brandmeldesysteme. Günstig entwickelten sich das Errichtergeschäft und der Bereich Service Solutions. 

Bei Thermotechnology war das Wachstum von einer guten Umsatzentwicklung in West- und Südeuropa getragen. Im wichtigen deutschen Markt zog das Wachstum an. Besonders gefragt waren wandhängende Gasgeräte, Warmwasserbereiter und bodenstehende Kessel, mit kräftigen Zuwächsen bei internetfähigen Geräten. Ein erfreuliches Umsatzwachstum erzielte Bosch Energy and Building Solutions mit ihren Dienstleistungen zur Steigerung der Energieeffizienz in ihren Fokusmärkten Deutschland, Italien sowie Indien.

Mitarbeiterzahlen

 

Erheblicher Anstieg durch Komplettübernahmen 

Die Gesamtzahl der Beschäftigten stieg zum Jahresende 2015 in der Bosch-Gruppe auf rund 374 800 gegenüber 290 200 Ende 2014. Der Großteil der Steigerung entfällt mit 71 300 Beschäftigten auf die Übernahmen von Automotive Steering und BSH Hausgeräte. Durch weitere Konsolidierungen kamen 1 800 Beschäftigte hinzu. Dies betrifft insbesondere die Neuerwerbungen Climatec und Kliklok. Gegenläufig wirkte sich vor allem die Trennung vom Bereich Großgetriebe im Geschäftsbereich Drive and Control Technology mit rund 1 100 Beschäftigten aus. Insgesamt kamen 73 100 Beschäftigte durch erstmalige Konsolidierungen hinzu, 1 200 Beschäftigte gehören aufgrund von Entkonsolidierungen und Verkäufen nicht mehr zur Bosch-Gruppe. Zudem stieg die Zahl der Beschäftigten durch zusätzliche Einstellungen nach Berücksichtigung der Fluktuation um rund 12 700; inklusive der 2015 eingestellten Beschäftigten bei Automotive Steering und BSH Hausgeräte waren es 16 400.  

Die regionalen Verschiebungen der Beschäftigtenstruktur gegenüber 2014 sind trotz der erheblichen Konsolidierungseffekte gering. Ende 2015 arbeiteten insgesamt rund 229 600 Beschäftigte für die Bosch-Gruppe in Europa, gegenüber rund 174 000 im Jahr 2014. Mit Automotive Steering und BSH Hausgeräte waren es 2014 rund 220 200 Beschäftigte. In Deutschland stieg die Zahl auf rund 132 000 Beschäftige gegenüber rund 105 400 ein Jahr zuvor und damit auch leicht gegenüber der Pro-Forma-Angabe für 2014 von rund 128 500. In Asien-Pazifik erhöhte sich in diesem Zeitraum die Beschäftigtenzahl auf rund 104 100 gegenüber rund 82 300 (Pro-Forma-Angabe rund 99 300). In Amerika stieg sie auf rund 41 000 gegenüber 33 900 (Pro-Forma-Angabe rund 38 300). Dabei sind gegenläufige Trends in Nordamerika und Südamerika zu berücksichtigen. So stieg die Mitarbeiterzahl in Nordamerika um rund 2 800, während sie in Südamerika leicht sank.

Deutlich stärker sind die Veränderungen der Beschäftigtenstruktur nach Unternehmensbereichen. Hier nahm die Mitarbeiterzahl im Bereich Mobility Solutions auf rund 217 000 gegenüber rund 190 400 Ende 2014 zu. Gegenüber der Pro-Forma-Angabe mit Automotive Steering von rund 204 800 wurden rund 12 000 zusätzliche Stellen geschaffen. In diesem Unternehmensbereich arbeiten damit jetzt 58 % der Beschäftigten gegenüber 66 % im Vorjahr. Noch gravierender sind die Veränderungen bei Consumer Goods durch die Vollkonsolidierung von BSH Hausgeräte. Hier waren Ende 2015 rund 74 300 beziehungsweise 20 % der Bosch-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter beschäftigt, 2014 rund 17 100 oder 6 %. Gegenüber der Pro-Forma-Angabe für 2014 von rund 70 300 steigt die Beschäftigtenzahl im Unternehmensbereich Consumer Goods um rund 4 000. Der Rückgang im Unternehmensbereich Industrial Technology um rund 1 900 Beschäftigte auf rund 39 500 beruht neben der Trennung von den Großgetriebeaktivitäten auf dem Stellenabbau im Geschäftsbereich Drive and Control Technology. Dagegen stieg die Zahl der Beschäftigten im Unternehmensbereich Energy and Building Technology um rund 1 300 auf rund 27 400. 

Umweltschutz und Arbeitssicherheit

 

Für Bosch haben Umweltschutz, Ressourcenschonung und Arbeits-sicherheit seit jeher eine hohe Bedeutung. Zudem ist die Robert Bosch GmbH seit 2004 Mitglied der Global Compact-Initiative der Vereinten Nationen und bekennt sich zu deren zehn weltweit gültigen Prinzipien für eine verantwortungsvolle Unternehmensführung. „Technik fürs Leben“ bedeutet für uns auch, auf die Umweltverträglichkeit unserer Produkte und unserer Produktionsprozesse zu achten.

 

Weitere Reduzierung der CO2-Emissionen

Die Verringerung der CO₂-Emissionen sehen wir als Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung. Wir sind überzeugt, dass die Industrie mit dem Einsatz intelligenter technischer Lösungen einen wesentlichen Beitrag für den Klimaschutz leisten kann. Die Maßnahmen zur Energieeinsparung werden wir deshalb weiter ausbauen. Energieeffizienz dient aber nicht nur dem ökologischen und sozialen Umfeld, sondern ist auch ein Schlüsselfaktor für uns, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen. 

 

Bereits im Jahr 2008 hatten wir langfristige Zielvorgaben für die Reduzierung des relativen, auf die eigene Wertschöpfung bezogenen CO₂-Ausstoßes unserer Standorte festgelegt. Diese besagten, dass wir bis 2020 gegenüber dem Referenzjahr 2007 die entsprechenden CO₂-Werte um 20 % (ohne Automotive Steering und BSH Hausgeräte) verringern wollen. Dieses Ziel konnten wir mit einer Reduzierung um rund 26 % bereits 2015 deutlich übertreffen. Der geringere Energieverbrauch macht sich für Bosch in finanzieller Hinsicht bereits bezahlt. Allein zwischen den Jahren 2007 und 2014 hat das Unternehmen durch hauseigene Maßnahmen im Wert von rund 345 Millionen Euro rund 530 Millionen Euro an Energiekosten gespart. Aufgrund der bisherigen Verbesserungen sind wir in der Diskussion über ein deutlich höheres Langfristziel 2020 einschließlich Automotive Steering und BSH Hausgeräte, da wir auf dieser Basis 2015 bereits eine Reduzierung um rund 30 % gegenüber 2007 erreichen konnten. 

An zahlreichen Bosch-Standorten suchen geschulte CO₂-Koordinatoren nach Möglichkeiten zum Energiesparen. Diese Experten analysieren mit ihren Teams beispielsweise Produktionsanlagen und auch Gebäude auf ihren Energieverbrauch. Bosch bietet einen großen Teil seiner Lösungen für mehr Energieeffizienz auch Industriekunden an, bei denen Energieeinsparungen von bis zu 30 % erzielt werden können.

Darüber hinaus richtet sich unser Fokus auf umweltfreundliche Gebäude. Beispielsweise sind die Dächer des neuen Forschungscampus in Renningen bepflanzt. Zusätzlich sind alle Fenster des Zentralgebäudes dreifach verglast und mit einem automatischen Sonnenschutz versehen. Die Kombination spart 20 bis 30 % Energie bei der Klimatisierung des Gebäudes. Außerdem können durch die Photovoltaik-Anlagen am Standort jährlich 200 Tonnen CO₂-Ausstoß vermieden werden. In zwei Pilotprojekten – bei unserer Wertschöpfung im Bereich E-Mobility sowie bei unserer künftigen Serverstruktur für das Internet der Dinge – haben wir das Ziel, den hierfür bei Bosch benötigten Energieeinsatz CO₂-neutral zu stellen. 

Darüber hinaus haben wir Anfang 2016 zusätzliche Zielwerte für die Abfallvermeidung und einen schonenden Umgang mit der Ressource Wasser festgelegt. Orientiert an bereits vorhandenen Erfolgen und auf Basis externer Benchmarks wollen wir die relative Abfallmenge und den relativen Wasserverbrauch bis 2018 um jeweils 2 % pro Jahr gegenüber Vorjahr senken. 

 

Langfristiges Ziel für Arbeitssicherheit definiert

Nach kontinuierlichen Fortschritten in den vergangenen Jahren haben wir Anfang 2016 erstmals ein Langfristziel für die Arbeitssicherheit festgelegt mit einer Unfallrate auf Ebene der Bosch-Gruppe von höchstens 1,7 Unfällen pro eine Million geleisteter Arbeitsstunden. Um dies erreichen zu können, werden wir unsere Sicherheitsaktivitäten verstärken. Sicherheit ist neben Qualität, Liefertreue und Effizienzverbesserungen ein Kernanliegen an allen Bosch-Standorten. Die Initiative umfasst unter anderem das Programm „S-Basics“. Damit wollen wir einen intensiven Dialog zwischen Führungskräften und Beschäftigten anstoßen. Neben methodischen Verbesserungen werden wir vor allem das Führungsverhalten im Hinblick auf Arbeitssicherheit weiter schulen.

Die Unfallrate beträgt für 2015 einschließlich Automotive Steering und BSH Hausgeräte 3,2 Unfälle pro eine Million Arbeitsstunden. Ohne die Einbeziehung liegt sie für 2015 bei 2,8 und bedeutet auf dieser Basis eine weitere Verbesserung gegenüber dem Vorjahreswert von 3,1. Die Gesamtzahl der Betriebsunfälle lag im Geschäftsjahr 2015 inklusive Automotive Steering und BSH Hausgeräte bei 2 126, ohne die Konsolidierung bei 1 532 Unfällen gegenüber 1 660 Unfällen im Jahr 2014.

Wichtigste Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung
in Millionen Euro
20152014
Umsatzerlöse70 60748 951
Herstellungskosten des Umsatzes–46 675–31 963
Bruttoergebnis23 93216 988
Vertriebs- und Verwaltungskosten–13 787–9 469
Forschungs- und Entwicklungskosten–6 378–4 959
Sonstige betriebliche Aufwendungen und Erträge864214
Ergebnis aus Unternehmen, die nach der Equity-Methode einbezogen werden–44256
EBIT4 5873 030
Finanzergebnis–98345
Ergebnis vor Steuern4 4893 375
Steuern vom Einkommen und Ertrag–952–714
Ergebnis nach Steuern
aus fortgeführten Geschäftsaktivitäten3 5372 661
aus aufgegebenen Geschäftsaktivitäten–24

Ertragslage

 

EBIT der Bosch-Gruppe deutlich gestiegen

Wir erzielten 2015 ein Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern (EBIT) von 4,6 Milliarden Euro gegenüber 3,0 Milliarden Euro im Vorjahr. Darin enthaltene ergebnisverbessernde und -belastende Sondereffekte gleichen sich aus. Damit liegt das operative EBIT (ohne Sondereffekte) auf gleicher Höhe; es entspricht einer Rendite von 6,5 %. Wir haben somit unser Ergebnis erheblich verbessert und übertrafen unsere Prognose deutlich. Prognostiziert war lediglich eine leichte Ergebnisverbesserung gegenüber der Pro-Forma-Angabe für 2014 inklusive Automotive Steering und BSH Hausgeräte mit einer EBIT-Rendite von knapp 6 %. 

Die ergebnisverbessernden Sondereffekte des Jahres 2015 ergeben sich zunächst aus der erstmaligen Einbeziehung von Automotive Steering und BSH Hausgeräte in den Konzernabschluss der Bosch-Gruppe. Gemäß IFRS sind Unternehmen vom Zeitpunkt der Beherrschung an voll zu konsolidieren. Bereits zuvor gehaltene Anteile an einem Unternehmen sind zum Zeitpunkt des Erwerbs der übrigen Anteile mit dem beizulegenden Zeitwert neu zu bewerten. Durch die Vollkonsolidierung von Automotive Steering und BSH Hausgeräte ergibt sich somit ein einmaliger Sonderertrag von 2,1 Milliarden Euro. Der Zeitwert der zuvor gehaltenen Anteile sowie der Kaufpreis für die übrigen Anteile sind sowohl auf die bestehenden als auch auf erstmals zu bilanzierende Vermögenswerte und Schulden zu verteilen (Kaufpreisallokation). Hierbei bilden die beizulegenden Zeitwerte den Wertmaßstab für die Aufteilung. Aus der Neubewertung der Vermögenswerte ergeben sich zusätzliche Abschreibungen, die dem Sonderertrag gegenüberstehen. Daraus resultiert in Summe ein Nettoertrag von 1,3 Milliarden Euro.

Diesem positiven Sonderertrag stehen belastende Sondereffekte in gleicher Höhe gegenüber. Sie ergeben sich in etwa zur Hälfte aus Belastungen im Unternehmensbereich Industrial Technology. Diese betreffen außerplanmäßige Abschreibungen auf Firmenwerte durch die unbefriedigende Lage im Geschäftsbereich Drive and Control Technology sowie Verluste aus der Veräußerung des Geschäfts mit Großgetrieben. Zur anderen Hälfte resultieren die belastenden Sondereffekte aus Zuführungen zu Rückstellungen im Zusammenhang mit rechtlichen Risiken. 

Die Herstellungskosten des Umsatzes bezogen auf die Umsatzerlöse erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 %-Punkte; das Bruttoergebnis reduzierte sich in Relation zum Umsatz entsprechend. Ohne Berücksichtigung der Neukonsolidierung von Automotive Steering und BSH Hausgeräte ist die Bruttomarge leicht besser als Vorjahr. Leicht überproportional zum Umsatz stiegen die Vertriebs- und Verwaltungskosten. Ohne die genannten Neukonsolidierungen ging der Anteil am Umsatz jedoch um mehr als einen Prozentpunkt zurück.

Größere Veränderungen zeigen sich bei den Forschungs- und Entwicklungskosten. Sie erreichten 2015 rund 6,4 Milliarden Euro gegenüber 5 Milliarden Euro im Vorjahr. Sie umfassen dabei auch an Dritte weiterverrechnete Leistungen von rund 1,3 Milliarden Euro.

Aufgrund der Neukonsolidierung von Automotive Steering und BSH Hausgeräte sank die Quote trotz des absoluten Anstiegs der Forschungs- und Entwicklungskosten auf 9 % gegenüber 10,1 % im Vorjahr. Inklusive Automotive Steering und BSH Hausgeräte hätten sich die Forschungs- und Entwicklungskosten für 2014 auf rund 5,6 Milliarden Euro belaufen, die Quote auf ebenfalls rund 9 %. Dabei entfallen auf den Unternehmensbereich Mobility Solutions 75 % der Entwicklungskosten nach 82 % im Vorjahr, auf Industrial Technology 6 % gegenüber 8 % im Vorjahr und auf Consumer Goods sowie Energy and Building Technology rund 15 % beziehungsweise 4 % (Vorjahr jeweils 5 %). Im Anstieg der sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträge spiegeln sich insbesondere die Erträge im Zuge der Vollkonsolidierung von Automotive Steering und BSH Hausgeräte wider. Gegenläufig wirken die genannten Sonderbelastungen. 

Das Ergebnis vor Steuern beträgt 4,5 Milliarden Euro; das entspricht einer Rendite von 6,4 %. Dabei ist das Finanzergebnis negativ und liegt deutlich unter dem Vorjahreswert. Die wesentlichen Gründe sind ein geringeres Ergebnis aus Wertpapieranlagen sowie höhere Währungsverluste. Nach Steuern weisen wir ein Ergebnis von 3,5 Milliarden Euro aus, gegenüber 2,7 Milliarden Euro im Vorjahr. 

Unsere interne Steuerungsgröße Operativer Wertbeitrag wird nur für den im internen Berichtswesen verwendeten Konsolidierungskreis für 2015 ermittelt. Hier wurden die Zahlen für das Gesamtjahr 2014 vergleichbar gerechnet. Der Wertbeitrag verringerte sich 2015 auf rund 250 Millionen Euro gegenüber der relevanten Vergleichszahl von rund 500 Millionen Euro für das Jahr 2014. Im Vergleich zum EBIT ist im Wertbeitrag der positive Sonderertrag im Zuge der Vollkonsolidierung von Automotive Steering und BSH Hausgeräte nicht enthalten. Ebenfalls nicht enthalten sind die Abschreibungen auf den Firmenwert bei Drive and Control Technology. 

Grundsätzlicher Unterschied zwischen EBIT und Operativem Wertbeitrag sind die kalkulatorischen Kapitalkosten von rund 3,4 Milliarden Euro (vergleichbare Vorjahreszahl rund 3,1 Milliarden Euro), die den Operativen Wertbeitrag im Vergleich zum EBIT reduzieren. Die weiteren Unterschiede bei den Abschreibungen und den sonstigen Positionen summieren sich auf der aktuellen Basis auf rund 0,2 Milliarden Euro (Vorjahr auf vergleichbarer Basis rund 0,1 Milliarden Euro).

Deutliche Unterschiede nach Segmenten

Nach Unternehmensbereichen erzielten wir bei Mobility Solutions inklusive der auf diesen Bereich entfallenden Sondereffekte ein EBIT von 3,2 Milliarden Euro und eine Rendite von 7,7 %. Operativ kam der Unternehmensbereich auf ein EBIT von 3,5 Milliarden Euro und eine Rendite von 8,4 % vom Umsatz. Damit konnte der Bereich seine Rendite gegenüber der Pro-Forma-Angabe für 2014 inklusive Automotive Steering von rund 7 % erheblich verbessern. Hierin spiegeln sich die guten operativen Erfolge in den meisten Geschäftsbereichen wider. 

Der Unternehmensbereich Industrial Technology weist aufgrund der schwierigen Geschäftslage bei Drive and Control Technology, der Belastungen durch die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen sowie insbesondere aufgrund der hohen außerplanmäßigen Abschreibungen und der Verluste im Zusammenhang mit dem Verkauf der Großgetriebe einen Gesamtverlust von 830 Millionen Euro aus. Der operative Verlust ohne die einmaligen Sondereffekte liegt für den Unternehmensbereich bei rund 100 Millionen Euro. Der Unternehmensbereich Consumer Goods erzielte ein EBIT von rund 2,2 Milliarden Euro inklusive der auf den Bereich entfallenden Sondereffekte; auch operativ erzielte er mit einem EBIT von 1,2 Milliarden Euro und einer operativen EBIT-Rendite von 7,2 % ein gutes Ergebnis. Er konnte die Rendite gegenüber der Pro-Forma-Angabe für 2014 von knapp 7 % steigern. Der Unternehmensbereich Energy and Building Technology verbesserte seine Ertragsstärke und kommt auf ein EBIT von rund 220 Millionen Euro gegenüber rund 170 Millionen Euro im Vorjahr sowie eine Rendite von 4,4 % gegenüber 3,7 %.

 

Vermögens- und Finanzlage

 
Bilanz durch Übernahmen geprägt

Die Übernahmen der früheren Gemeinschaftsunternehmen in den Bereichen Lenksysteme und Hausgeräte haben einen deutlichen Einfluss auf den Bilanzausweis. Bei der Einbeziehung nach der Equity-Methode bis 2014 wurden die Beteiligungen auf der Aktivseite der Bilanz unter den langfristigen Vermögenswerten ausgewiesen. Mit der Vollkonsolidierung 2015 erfolgt die Übernahme der einzelnen Vermögenswerte und Schulden. Hinzu kommen die Effekte aus der Neubewertung.

Zum Bilanzstichtag stieg die Bilanzsumme der Bosch-Gruppe um rund 25 % auf 77,3 Milliarden Euro gegenüber 61,9 Milliarden Euro im Vorjahr. Grund für den Anstieg ist im Wesentlichen die Vollkonsolidierung von Automotive Steering und BSH Hausgeräte. Des Weiteren vergrößerte sich der Umlaufhaushalt bei Vorräten und Forderungen deutlich. Grund dafür ist vor allem das höhere Umsatzniveau. Bei den langfristigen Vermögenswerten wirkte sich zusätzlich das erhöhte Sachanlagevermögen aufgrund der weiter gestiegenen Investitionen aus. Wir weisen auch in der neuen Struktur für 2015 eine sehr solide Eigenkapitalquote von knapp 45 % aus gegenüber rund 48 % im Vorjahr. 

Die bilanzielle Liquidität erreichte zum Bilanzstichtag trotz des hohen Mittelabflusses im Zuge der Akquisitionen von Automotive Steering und BSH Hausgeräte 14,4 Milliarden Euro gegenüber 15,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Die bilanzielle Liquidität umfasst neben den flüssigen Mitteln die Wertpapiere und die Guthaben bei Kreditinstituten mit einer Laufzeit von mehr als 90 Tagen.

Auch die Passivseite wurde maßgeblich durch die Vollkonsolidierung von Automotive Steering und BSH Hausgeräte beeinflusst. Die weiteren Veränderungen sind bei den kurzfristigen Schulden überwiegend umsatzbedingt. Die Finanzierungsstruktur ist weiterhin sehr solide. Auf die kurzfristigen Schulden entfällt dabei ein Anteil von 23,1 %. Standard & Poor’s bewertet zudem die Langfristbonität der Robert Bosch GmbH unverändert mit AA- (Ausblick „stabil“). Davon profitiert auch die Tochtergesellschaft BSH Hausgeräte GmbH mit einer entsprechenden Ratingeinstufung. Zu den finanziellen Verbindlichkeiten gehören Anleihen im Gesamtvolumen von rund 5 Milliarden Euro. Die Zinssätze liegen zwischen 1,543 % und 5,125 %. Im Geschäftsjahr 2015 wurden keine neuen Anleihen begeben. Die durchschnittliche Laufzeit sowie die Durchschnittsverzinsung der Anleihen sind im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen, was vor allem durch die erstmalige Konsolidierung von BSH Hausgeräte und Automotive Steering bedingt ist. Die bestehenden finanziellen Verbindlichkeiten lauten größtenteils auf Euro.

Investitionen deutlich gestiegen 

Wir investierten 2015 in der Bosch-Gruppe 4,1 Milliarden Euro gegenüber 2,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Die Investitionsquote stieg auf 5,7 % vom Umsatz. Der Umfang der zum Abschlussstichtag bestehenden Investitionsverpflichtungen aufgrund getätigter Bestellungen beträgt rund 630 Millionen Euro. Dafür stehen angesichts unserer sehr guten Liquiditätssituation ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung.

Nach Unternehmensbereichen erhöhten sich die Gesamtinvestitionen im Bereich Mobility Solutions auf 3,1 Milliarden Euro gegenüber 2,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Bei dem kräftigen Anstieg spielt nicht nur die Vollkonsolidierung von Automotive Steering eine Rolle, sondern auch ein erhöhter Investitionsbedarf insbesondere in den Bereichen Dieseltechnik, Benzin-Direkteinspritzung, Fahrerassistenzsysteme, Electrical Drives und Infotainmentsysteme wie auch die Kapazitätserweiterungen bei Halbleitern, Sensoren und Steuergeräten. Bei Industrial Technology investierten wir rund 140 Millionen Euro nach 170 Millionen Euro im Vorjahr. Im Bereich Consumer Goods stiegen die Investitionen aufgrund der Vollkonsolidierung von BSH Hausgeräte auf rund 650 Millionen Euro nach 130 Millionen Euro im Vorjahr. Zudem erhöhte sich auch hier die Investitionsquote aufgrund des Kapazitätsausbaus bei Power Tools für Zubehör und bei BSH Hausgeräte für Spülmaschinen, Koch- und Gefriergeräte. Bei Energy and Building Technology stieg das Investitionsvolumen auf rund 100 Millionen Euro nach 70 Millionen Euro im Vorjahr. Im Vordergrund standen hier Projekte an Fertigungs-, Entwicklungs- und Vertriebsstandorten mit dem Fokus auf Kostenreduzierung und Produkterneuerung. 

Auf europäische Standorte entfielen rund 2,5 Milliarden Euro Investitionsmittel gegenüber 1,7 Milliarden Euro im Vorjahr. In Deutschland gaben wir dabei für Investitionen rund 1,4 Milliarden Euro gegenüber 1,1 Milliarden Euro im Vorjahr aus. Schwerpunkte waren Kapazitätserweiterungen bei Halbleitern und Sensoren und Neubauten am Standort Reutlingen sowie in den Bereichen Benzin-Direkteinspritzung und Dieseltechnik. Zudem stellten wir den neuen Forschungscampus in Renningen unweit der Firmenzentrale fertig. Ein weiteres bedeutendes Großprojekt, das sich ebenfalls über mehrere Jahre erstreckt, ist die Erweiterung des zentralen Logistikzentrums für Automobilersatzteile in Karlsruhe. 

Eine große Investition in Europa außerhalb Deutschlands ist das neue Werk für Kraftfahrzeugtechnik im russischen Samara. Allerdings strecken wir unsere Pläne aufgrund der aktuellen Marktlage. Am türkischen Standort Bursa erweiterten wir unsere Fertigung für Hochdruckinjektoren für Dieselfahrzeuge. Insgesamt investierten wir dafür zwischen 2013 und 2015 rund 300 Millionen Euro. In Ungarn wurde der Ausbau des Entwicklungszentrums Budapest fortgeführt, in unserem tschechischen Standort Jihlava wurde die Fertigung für Dieseltechnik erweitert. BSH Hausgeräte baut die Fertigung in Polen aus. Das Unternehmen übernahm 2015 den Fabrikstandort von Fagor Mastercook S.A. in Wrocław, Polen, nach deren Insolvenz. Hier soll eine Produktion für die Bereiche Kochen und Kühlen entstehen.

In der Region Asien-Pazifik investierten wir rund 1,1 Milliarden Euro nach 620 Millionen Euro im Vorjahr. Wir bauten insbesondere die Standorte aus, an denen wir Diesel- und Benzin-Direkteinspritztechnik herstellen, speziell auch in China. Zudem errichten wir einen neuen Diesel-Standort in Qingdao, China. BSH Hausgeräte legte den Grundstein für ihre erste Geschirrspülerfabrik in China. Die neue Fabrik soll nach einer rund zweijährigen Bauzeit planmäßig Anfang 2018 die Produktion aufnehmen. Das geplante Gesamtvolumen der Investition umfasst in den nächsten fünf Jahren rund 215 Millionen Euro. In Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam, wurde mit dem Bau eines neuen Entwicklungszentrums begonnen. Ein weiterer Schwerpunkt war erneut Indien. Dort investierten wir rund 140 Millionen Euro in den Ausbau bestehender Fertigungsstandorte und den weiteren Ausbau des Software- und Entwicklungszentrums am Standort Bengaluru. 

In Nord- und Südamerika investierten wir insgesamt rund 460 Millionen Euro nach 220 Millionen Euro im Vorjahr. Schwerpunkte in Amerika betrafen insbesondere den Unternehmensbereich Mobility Solutions. Dazu gehörten der Ausbau des Entwicklungsstandorts Plymouth/Michigan, USA, und des Fertigungsstandorts Charleston/South Carolina, USA, sowie der Fertigungsstandorte Toluca, Juárez und Aguascalientes in Mexiko. Im Bereich Thermotechnology ging 2015 eine neue Produktionsstätte für Gas-Durchlauferhitzer in Tepotzotlán in der Nähe von Mexiko-Stadt in Betrieb. 

Kapitalflussrechnung Bosch-Gruppe
in Millionen Euro
20152014
Cash-Flow6 8354 866
in % vom Umsatz9,79,9
Liquidität Jahresanfang (1.1.)5 5133 799
Mittelzufluss aus betrieblicher Tätigkeit+5 959+3 835
Mittelabfluss aus Investitionstätigkeit–7 204–2 772
Mittelabfluss bzw. -zufluss aus Finanzierungstätigkeit–655+470
Sonstiges+94+181
Liquidität Jahresende (31.12.)3 7075 513

Liquiditätsentwicklung 

 
Hohe Finanzkraft und gute Liquiditätsausstattung

Die Bosch-Gruppe verfügt trotz der vollständigen Übernahmen der früheren Gemeinschaftsunternehmen in den Bereichen Lenksysteme für Kraftfahrzeuge und Hausgeräte weiterhin über eine hohe Finanzkraft mit einem Cash-Flow im Jahr 2015 von 6,8 Milliarden Euro beziehungsweise 9,7 % des Umsatzes gegenüber den vergleichbaren Vorjahreszahlen von 4,9 Milliarden Euro bzw. 9,9 % des Umsatzes. In dem Anstieg spiegelt sich auch die deutliche Verbesserung des Ergebnisses wider.

Die Liquidität gemäß Kapitalflussrechnung (flüssige Mittel) erreichte zum Jahresende 3,7 Milliarden Euro nach 5,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Rückgang resultiert in hohem Maße aus dem Erwerb sämtlicher Anteile an Automotive Steering und BSH Hausgeräte. Stabilisierend wirkt die gute Ertragslage. Darüber hinaus bestehen freie Finanzierungsrahmen der Robert Bosch GmbH bei Euro-Medium-Term-Note- sowie Commercial-Paper-Programmen in Höhe von 4,25 Milliarden Euro und zwei Milliarden US-Dollar.

Der Mittelzufluss aus betrieblicher Tätigkeit liegt mit 6,0 Milliarden Euro um rund 2,1 Milliarden Euro über Vorjahr. Die Gründe für den Anstieg sind ein höherer Cash-Flow, dem jedoch eine höhere Mittelbindung im Umlaufhaushalt gegenübersteht. Der Mittelabfluss aus Investitionstätigkeit fällt gegenüber dem Vorjahr um 4,4 Milliarden Euro höher aus. Gründe sind die deutlich gestiegenen Mittelabflüsse aus Erwerben, Beteiligungsmaßnahmen und Sachanlageinvestitionen. Aus Finanzierungstätigkeit fließen 2015 aufgrund der Rückführung von Finanzverbindlichkeiten und Dividendenzahlungen 0,7 Milliarden Euro ab. Dem stand im Vorjahr ein Netto-Mittelzufluss in Höhe von 0,5 Milliarden Euro gegenüber, der im Wesentlichen aus der Begebung von Anleihen resultierte.

Die Bosch-Gruppe verfügt über ein zentrales Finanz- und Währungsmanagement. Es dient einer optimalen Steuerung der Zahlungsströme sowie der Begrenzung von Risiken aus offenen Währungs-positionen auf Ebene der Bosch-Gruppe. Darüber hinaus steuert das zentrale Finanzmanagement die Mittelaufnahme und die Finanzanlagen. Dabei verfolgen wir bei den Kapitalanlagen die Strategie einer breiten Streuung von Aktien und verzinslichen Wertpapieren. 

Ausblick 

 
Nur moderates Wachstum für 2016 zu erwarten

Auch für 2016 gehen wir erneut von einem nur mäßigen globalen Wirtschaftswachstum aus. Ein wesentlicher Grund ist die anhaltende Wachstumsschwäche in den Schwellenländern. Wir erwarten einen Zuwachs der weltweiten Wirtschaftsleistung von etwa 2,5 %. Die Zuwachsrate liegt damit auf dem Niveau von 2015 und erneut deutlich unter dem langfristigen Trend von 3,3 %. Das Wachstum in den Industrieländern wird voraussichtlich knapp 2 % erreichen. In den USA rechnen wir mit einer gegenüber 2015 etwas langsameren Dynamik, auch weil zuletzt die Konjunkturrisiken gestiegen sind. Insgesamt erwarten wir für Amerika aufgrund der anhaltenden Rezession in Brasilien keine wesentliche Belebung des Wachstumstempos.

In Europa gehen wir für die Europäische Union für 2016 von einem Wachstumstempo in etwa wie 2015 mit einem Zuwachs von 1,6 % aus. Insbesondere in den exportstarken Ländern belastet die langsame Gangart der Weltwirtschaft. So dürfte das Wachstum in Deutschland mit 1,5 % niedriger ausfallen als 2015. Aber auch in Spanien sowie Nordeuropa wird die Dynamik voraussichtlich leicht nachlassen. Stabilisierend wirkt dabei der Konsum, der unter anderem aufgrund der deutlichen Zuwanderung nach Westeuropa etwas kräftiger expandieren dürfte. Das Wachstum in Gesamteuropa wird 2016 aufgrund der anhaltenden Probleme in Russland und der Türkei gebremst, so dass es voraussichtlich etwas schwächer als im Jahr 2015 ausfallen wird. 

In den Schwellenländern wird das Wachstumstempo auch 2016 dasjenige der Industrieländer übertreffen. Allerdings rechnen wir für die Schwellenländer mit einer Zuwachsrate von nur rund 3,5 % und damit lediglich mit einer Stabilisierung und nicht mit einer Trendumkehr. Hier spielt das verlangsamte Wachstumstempo in China eine wesentliche Rolle. Dort dürfte die Zuwachsrate für 2016 mit 6,3 % unterhalb des Wertes für 2015 liegen.

Für die wirtschaftliche Entwicklung in 2016 gehen erhebliche Risiken von der weiterhin schwelenden Eurokrise, den zunehmenden geopolitischen Spannungen und den strukturellen Defiziten in den Schwellenländern aus, vor allem in den Ländern mit starker Rohstoffabhängigkeit. Diesen Risiken stehen allerdings positive Effekte durch den niedrigen Ölpreis gegenüber, die die Konjunktur insbesondere in den Industrieländern stabilisieren.

Bei unseren Kernmärkten erwarten wir einen Anstieg der Produktionszahlen bei Personenwagen und Nutzfahrzeugen um knapp 2 % auf gut 93 Millionen Fahrzeuge. Dabei zeichnet sich bei schweren Nutzfahrzeugen ein weiterer Rückgang auf 2,7 Millionen Einheiten ab. Das moderate Wachstum gilt dabei für alle Triaderegionen. In Asien-Pazifik rechnen wir lediglich in Indien und den ASEAN-Staaten mit einem erneut kräftigen Zuwachs. In China gehen wir von einem Anstieg der Automobilproduktion um 3 bis 5 % aus. Für den Maschinenbau insgesamt erwarten wir einen leichten Rückgang der globalen Produktion nach einem bereits nur leichten Anstieg 2015. Positive Impulse kommen dabei voraussichtlich aus Asien, während der Markt in Amerika sowie in Europa schrumpfen dürfte. Dabei dürfte sich das Marktsegment mobile Anwendungen deutlich schwächer entwickeln als der Gesamtmarkt. Der Geschäftsbereich Drive and Control Technology wird damit voraussichtlich hinter der Entwicklung des Gesamtmarktes zurückbleiben.

Wir prognostizieren ein leichtes globales Anziehen der Privaten Nachfrage auf etwa 2,5 %. Insbesondere in den für uns wichtigen südeuropäischen Märkten zeichnet sich für 2016 ein stabiler Zuwachs ab. Zudem erhöht der niedrige Ölpreis die Kaufkraft. Bezogen auf die globale Bautätigkeit als weiteren wichtigen Markt erwarten wir 2016 mit rund 3,8 % ein etwas stärkeres Wachstum als im Vorjahr; dabei kommen die Impulse vor allem aus der Europäischen Währungsunion.

Umsatzwachstum und Stärkung der Ertragskraft 

Vor dem Hintergrund des weiterhin verhaltenen wirtschaftlichen Umfelds rechnen wir erneut mit einem Umsatzwachstum der Bosch-Gruppe im Geschäftsjahr 2016 in einem Korridor von 3 bis 5 %. Wechselkurseffekte sind hier nicht berücksichtigt. Überproportional zum Gesamtunternehmen dürften die Unternehmensbereiche Mobility Solutions und Consumer Goods ihren Umsatz steigern. Schwierig bleibt die Lage im Unternehmensbereich Industrial Technology.

Wir erwarten derzeit für die Bosch-Gruppe eine operative EBIT-Rendite in etwa auf Vorjahresniveau. Verbesserungen aus Produktivitäts- und Kostenfortschritten stehen Belastungen durch die Sanierung bei Drive and Control Technology, die Kosten für die Integration von Automotive Steering sowie die Ausgliederung von Starter Motors and Generators gegenüber. Bei dieser Prognose bleiben die Ergebnisbelastungen durch die erhöhten Abschreibungen aus der Neubewertung der Vermögenswerte bei Automotive Steering und BSH Hausgeräte von in Summe rund 500 Millionen Euro außer Betracht. Dies gilt ebenso für die Unternehmensbereiche Mobility Solutions und Consumer Goods, die sich wieder am stärksten entwickeln dürften. Bei der internen Steuerungsgröße Operativer Wertbeitrag gehen wir von einer deutlichen Verbesserung aus.

Chancen- und Risikobericht

 

Chancenbericht 

 

Insgesamt sehen wir für die Bosch-Gruppe unverändert gute Wachstumschancen, was sich auch im Ziel eines langfristigen Umsatzwachstums von durchschnittlich 8 % p. a. widerspiegelt. Ein Grund ist unsere günstige Ausgangsbasis durch die breite sektorale Aufstellung, die hohe Innovationskraft und die starke internationale Präsenz. Besondere strategische Chancen ergeben sich dabei für uns durch die wachsende Bedeutung der Themen Energieeffizienz und damit der Ressourcenschonung, der Elektrifizierung, der Automatisierung, durch den weiteren Ausbau der Präsenz in den aufstrebenden Märkten und darüber hinaus durch die zunehmende Vernetzung, speziell durch das Internet der Dinge. Wir haben zur besseren Verständlichkeit im Kapitel „Perspektiven für die Bosch-Gruppe“ die Chancen und die jeweiligen Strategien, die wir daraus ableiten, ausführlich dargestellt.

 

Risikobericht 

 
Umfassendes Risikomanagementsystem

Das Risikomanagement der Bosch-Gruppe ist in die strategische und operative Steuerung integriert. Von der strategischen Planung auf Konzernebene über die mittelfristige Planung der Geschäftseinheiten bis hin zu unserem operativen Controlling setzen wir durchgängig Instrumente des Risikomanagements ein. Zentrales Element auf allen Ebenen des Risikomanagements ist die Festlegung und Umsetzung aus den Risiken abgeleiteter Maßnahmen. Dabei liegt die Zuständigkeit für übergeordnete Risiken bei der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH mit Unterstützung der Zentralabteilungen. Die Bereichsvorstände der Geschäftsbereiche und die Leitungen der Regionalorganisationen haben die Aufgabe, die Risiken am Entstehungsort zu identifizieren und die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. 

Strategische Risiken betreffen im Wesentlichen die Entwicklungen von Märkten und Wettbewerbern sowie von Zulieferern, Innovationen bei Technologien und Geschäftsmodellen, Veränderungen des politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeldes sowie Akquisitionen und die Marke Bosch. Wir beobachten deshalb laufend die Entwicklungen der wesentlichen Wettbewerber, Kunden und Zulieferer. Zudem führen wir Geschäftsfeld-, Wettbewerber- sowie Szenarioanalysen durch. Darüber hinaus erstellen wir zukunftsgerichtete Bewertungen der geplanten Positionen der Bosch-Gruppe in den für uns maßgeblichen Technologiefeldern und Geschäftsmodellen. Zur Beherrschung der Risiken bei Akquisitionen tragen umfassende strategische Bewertungen potenzieller Vorhaben bei. Dem Markenschutz dienen ein vorausschauendes Reputationsmanagement, die Analyse von Social Media und eigene Aktivitäten in diesem Bereich.

Im Rahmen des operativen Controllings wird unter anderem monatlich auf Grundlage unseres umfassenden Berichtswesens ein Überblick über alle wirtschaftlich relevanten Vorgänge sowie eine Aufstellung der wesentlichen Chancen und Risiken erstellt. In Gremien wie dem Devisen- und Rohstoffausschuss oder dem Anlageausschuss befassen wir uns regelmäßig mit speziellen Risiken. Wir verfügen über eine konzernweite Liquiditätsplanung und überwachen unsere Finanzmittel fortlaufend.

 
Gesamtbewertung der Risiken

Über die im Prognosebericht genannten marktbedingten Risiken sowie die in diesem Bericht aufgeführten Risiken der Unternehmensbereiche und rechtlichen Risiken hinaus sehen wir derzeit keine Risiken, die 2016 die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Bosch-Gruppe wesentlich beeinflussen könnten. Zudem liegen keine bestandsgefährdenden Risiken für die Bosch-Gruppe vor. Die Gesamtbetrachtung aller Risiken bestätigt die Tragfähigkeit unserer Prognose. Im Vergleich zum Vorjahr ergeben sich für die Gesamtbewertung keine wesentlichen Unterschiede.

 
Risiken der Unternehmensbereiche

Wir analysieren die mittelfristigen Risiken für die Unternehmensbereiche in den Risikofeldern Markt, Kunde, Wettbewerb, Beschaffung, Technologie, Wertschaffungsmodell und Umfeld. Dabei liegen Risiken für uns überwiegend in den Feldern Markt, Kunde, Technologie und Entwicklung des Wettbewerbs. Die identifizierten mittelfristigen Risiken bewerten wir. Wichtiges Kriterium ist dabei das Produkt der abgeschätzten wirtschaftlichen Auswirkung und der geschätzten Eintrittswahrscheinlichkeit. 

EintrittswahrscheinlichkeitBeschreibung
NiedrigBis zu 17 %
MittelBis zu 33 %
HochBis zu 50 %

Risiken mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von mindestens 50 % verarbeiten wir in unserer jährlichen beziehungsweise in der unterjährigen Prognose. Die Bewertung erfolgt gegenüber unserer aktuellen Planung.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen kategorisieren wir in niedrig, mittel, hoch und sehr hoch anhand ihrer Relation zum erwarteten kumulierten operativen EBIT des jeweiligen Unternehmensbereichs über einen mittelfristigen Zeitraum von vier Jahren. 

Grad der AuswirkungenDefinition der Auswirkungen
NiedrigUntergeordnete Auswirkungen auf die Ertragslage des jeweiligen Unternehmensbereichs
MittelEinige negative Auswirkungen auf die Ertragslage des jeweiligen Unternehmensbereichs
HochBeträchtliche negative Auswirkungen auf die Ertragslage des jeweiligen Unternehmensbereichs
Sehr hochSchädigende negative Auswirkungen auf die Ertragslage und Geschäftstätigkeit des jeweiligen Unternehmensbereichs

Besondere Risiken, also Risiken mit mindestens mittlerer wirtschaftlicher Auswirkung und Eintrittswahrscheinlichkeit, ergeben sich im Unternehmensbereich Mobility Solutions aus der aktuellen Diskussion über die Zukunftsfähigkeit des Dieselmotors. Dies könnte zu einem Rückgang der Nachfrage nach Dieseleinspritzsystemen und -komponenten führen. Darüber hinaus stellen digitale Transformationsprozesse ein nicht unerhebliches Risiko für gegenwärtige Geschäftsmodelle und Vertriebswege im Bereich Aftermarket dar. Ein weiteres Risiko sehen wir in einem steigenden Preisdruck auf dem chinesischen Markt. 

Hinzu kommt eine Vielzahl von Einzelrisiken mit jeweils niedriger wirtschaftlicher Auswirkung und geringen Eintrittswahrscheinlichkeiten. Diese Einzelrisiken betreffen vor allem die Zielerreichung bei Markt- und Lieferanteilen, Preisentwicklungen, Marktveränderungen aufgrund neuer Geschäftsmodelle, Technologien, Wettbewerber und Umweltschutzaspekte. Wir begegnen diesen Risiken mit einer umfassenden Planung und Verfolgung der Akquisitionserfolge für Lieferverträge, unserem breiten Kunden- und Produktportfolio, einer intensiven Marktbeobachtung und einem weltweiten Trendscouting.

Hinzu kommt grundsätzlich das hohe Gewährleistungsrisiko. Aufgrund umfassender Plattform- und Baukastenstrategien der Automobilhersteller können Qualitätsprobleme bei einzelnen unserer Produkte zu umfangreichen Rückrufen führen. Diesen Risiken steuern wir mit der ständigen Verbesserung unseres Qualitätsmanagements entgegen.

Im Unternehmensbereich Industrial Technology liegen für den Geschäftsbereich Drive and Control Technology hohe und mittlere Risiken mit mindestens mittlerer Eintrittswahrscheinlichkeit vor. Dabei handelt es sich um die besondere Volatilität der Märkte mit einem verstärkten Preisabrieb und die Möglichkeit des Eintritts neuer Wettbewerber, insbesondere aus China und den Vereinigten Staaten. Darüber hinaus steigt durch zunehmende Standardisierung im Bereich für Hydraulikkomponenten das Risiko, sich nicht mehr technologisch differenzieren zu können. Diesen Risiken begegnen wir mit einem spezifisch an die Marktbedürfnisse angepassten Produktportfolio und einem umfassenden Restrukturierungsprogramm.

Im Unternehmensbereich Consumer Goods, bei dem BSH Hausgeräte erstmals mit in die Betrachtung einbezogen wurde, betreffen besondere Risiken vor allem Gefahren aufgrund der steigenden Bedeutung des Vertriebs über das Internet. Zu den Maßnahmen gehört der konsequente Ausbau eigener Internetaktivitäten.

Für den Unternehmensbereich Energy and Building Technology sind insbesondere das Risiko einer Preiserosion infolge zunehmender Konkurrenz durch chinesische Anbieter sowie Absatzrisiken aufgrund der hohen Innovationsgeschwindigkeit von IP-Technologien zu nennen. Hinzu kommen Risiken durch einen potenziellen Trend zu Niedrigpreisprodukten und die Verbreitung internetbasierter Geschäftsmodelle. Die Maßnahmen betreffen vor allem die verstärkte Entwicklung von IP-fähigen Produkten sowie von Produkten für preisgünstige Marktsegmente. Darüber hinaus setzen wir Produktivitätssteigerungen im Dienstleistungsgeschäft um. 

Aufgrund unserer breiten regionalen und sektoralen Aufstellung sind die mittelfristigen strategischen und operativen Risiken insgesamt stark gestreut. Unser Risikomanagementsystem stellt in allen Unternehmensbereichen die bestehenden Risiken transparent dar. Durch zielgerichtete Maßnahmen begrenzen wir die Eintrittswahrscheinlichkeiten und Auswirkungen der Risiken. Insgesamt zeigt die Betrachtung von Chancen und Risiken, dass wir uns in einem chancenreichen Umfeld bewegen und dass damit derzeit keine nachhaltige und schwerwiegende Gefährdung unserer Ertragskraft absehbar ist.

IT-Risiken: Wir sichern uns mit umfassenden, unternehmensweit gültigen Maßnahmen zum organisatorischen und technischen Schutz vor jedweder Art von Datenverlusten, Manipulationen und Diebstahl ab. Dabei stellen wir uns mit einer breiten und gut ausgebildeten IT-Sicherheits- und Datenschutzorganisation auf die weiter wachsenden Anforderungen im Bereich Cyberkriminalität, Schutz des geistigen Eigentums und Sabotagegefahren sowie die zunehmende Sensibilität im Datenschutz im Bereich sozialer Netzwerke ein. Für unsere Lösungen mit vernetzbaren Produkten im Internet der Dinge nutzen wir ein gesamtheitliches Sicherheitskonzept, das wir kontinuierlich gemäß dem Stand der Technik weiterentwickeln und dessen Wirksamkeit wir mit umfassenden Sicherheitstests (Penetrationstests) verifizieren. Hohe Verfügbarkeit der IT erreichen wir durch redundante standortunabhängige Systeme.

Rechtliche Risiken/Compliance: Für das Geschäftsjahr 2016 sind keine rechtlichen Risiken erkennbar, die die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage wesentlich beeinflussen könnten. Dies schließt sämtliche Risiken aus laufenden oder drohenden Rechtsstreitigkeiten und Compliance-Vorgängen ein. Der Grundsatz der Legalität ist zentraler Bestandteil der Bosch-Werte. Verstößen gegen geltendes Recht oder den Bosch Code of Business Conduct gehen wir konsequent nach. Die Stärkung und organisatorische Absicherung der Regeltreue ist dabei Aufgabe der weltweiten Compliance-Organisation. Durch weltweite Präsenzveranstaltungen, webbasierte Schulungen sowie eine Vielzahl von Publikationen tragen wir dazu bei, dass der richtige Umgang mit den bestehenden Gesetzen und Regeln unternehmensweit bekannt ist. Ein weiteres Element ist der 2015 weltweit etablierte Compliance-Dialog zwischen Führungskräften und ihren Mitarbeitern, um über die regelbasierte Compliance hinaus eine wertebasierte Compliance zu entwickeln. 

Wir haben zudem zum Jahresanfang 2015 eine eigenständige Zentralabteilung Compliance Management geschaffen. Der hierfür zuständige Chief Compliance Officer koordiniert die Compliance-Organisation und berichtet direkt an die Geschäftsführung sowie im Bedarfsfall direkt an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats. Die Compliance Officer in den Regionen und Geschäftsbereichen sind fachlich dem Chief Compliance Officer zugeordnet. Zudem finden regelmäßige Risikoanalysen statt. Auf ihrer Grundlage erfolgt die Definition und Umsetzung von Maßnahmen, um die identifizierten und bestätigten Compliance-Risiken zu minimieren. 

Seit 2010 ermitteln die EU-Kommission sowie andere Wettbewerbsbehörden gegen eine Vielzahl von Automobilzuliefer-Unternehmen wegen angeblicher Wettbewerbsverstöße. Auch die Bosch-Gruppe ist von diesen Kartellrechtsuntersuchungen betroffen. Zur Aufklärung dieser Vorwürfe kooperiert das Unternehmen unverändert intensiv mit den Behörden. Mit der zuständigen US-amerikanischen Kartellbehörde (Department of Justice) wurde 2015 ein Vergleich erzielt. Die Gespräche mit der EU-Kommission sind inzwischen fortgeschritten. In den derzeit noch laufenden Untersuchungen von ermittelnden Behörden sowie aus möglichen zivilrechtlichen Ansprüchen bestehen Risiken für Bosch. Seit Herbst 2015 werden durch verschiedene Behörden gegenüber Volkswagen Vorwürfe hinsichtlich einer Manipulation der in den Motorsteuergeräten enthaltenen Software erhoben. In diesem Zusammenhang wurden in den USA erhobene Zivilklagen zu einer Sammelklage gebündelt, die auch Bosch als Beklagte aufführt. Diesen Vorwurf nimmt Bosch als einer der größten Anbieter von Einspritztechnik weltweit sehr ernst. 

Unverzüglich nach Bekanntwerden der Vorwürfe hat Bosch eine interne Untersuchung begonnen. Diese Untersuchung läuft noch und es liegen noch keine finalen Ergebnisse vor. Hinweise auf ein strafrechtlich relevantes Handeln des Geschäftsführungsorgans, die Anpassungen bzw. Restatements der Vorjahresabschlüsse erfordern würden, liegen nicht vor. Das Unternehmen steht zu den Vorgängen rund um die Manipulation der in den Motorsteuergeräten enthaltenen Software mit zahlreichen Ermittlungsbehörden im In- und Ausland im Kontakt. In Summe bestehen Risiken für Bosch in den derzeit noch laufenden Untersuchungen von ermittelnden Behörden insbesondere in den USA und in Deutschland sowie aus zivilrechtlichen Verfahren unter anderem in Form von Sammelklagen in den USA. Auf Basis der zum Zeitpunkt der Aufstellung des Abschlusses vorliegenden und von der Geschäftsführung beurteilten Sachverhalte zu den Themen Kartellverfahren und Motorsteuergeräte wurde nach Auffassung der Geschäftsführung ausreichende Risikovorsorge in Form von Rückstellungen für rechtliche Risiken gebildet. Für die verschiedenen genannten Rechtsrisiken beläuft sich der Bestand an Rückstellungen auf rund 750 Millionen Euro.

Finanzwirtschaftliche Risiken: Das operative Geschäft der Bosch-Gruppe wird durch Währungs- und Zinsschwankungen beeinflusst. Geschäftspolitisches Ziel ist es, diese Risiken zu begrenzen. Grundsätzlich mildert unsere Strategie einer starken weltweiten Präsenz mit lokaler Produktion und weltweiten Einkaufsaktivitäten Währungsrisiken ab. Die Basis für die Steuerung von Währungsrisiken bilden die in einer Devisenbilanz ermittelten Nettopositionen pro Fremdwährung. Bei Bedarf werden diese Risiken durch zentrale Sicherungsmaßnahmen abgesichert. Interne Vorschriften und Richtlinien legen Handlungsrahmen und Verantwortlichkeiten bei Zahlungsvorgängen sowie bei Anlage- und Sicherungsvorgängen verbindlich fest. Nach unseren Regelungen dürfen Finanzinstrumente wie Termingeschäfte und Zinsswaps nur im Zusammenhang mit dem operativen Geschäft sowie der Geldanlage beziehungsweise bei Finanzierungsvorgängen eingesetzt werden; Spekulationsgeschäfte sind nicht zulässig. Die Abwicklung von Sicherungsgeschäften erfolgt ausschließlich über Banken mit guter Bonität. Deren Bonität wird ständig überprüft, und die Limits werden entsprechend angepasst. 

Wir verfügen über umfangreiche Finanzanlagen. Hierbei ergeben sich Zins- und Kursrisiken. Wir steuern diese Risiken über einen auf unsere finanziellen Verpflichtungen abgestimmten Anlageprozess. Ziel ist es, eine angemessene, risikoadäquate Verzinsung des Anlagekapitals zu erreichen. Wir achten dabei auf eine möglichst breite Streuung unserer Anlagen. Das Risiko der Finanzanlagen wird mittels eines Limitsystems eng verfolgt. Vorgegebene Risikolimits für einzelne Anlagekategorien begrenzen das potenzielle Verlustrisiko. Auswirkungen von Zinsänderungen auf Mittelaufnahmen sind kurz- bis mittelfristig durch ein ausgewogenes Fälligkeitsprofil der Finanzverbindlichkeiten stark begrenzt. Die Entwicklung von Finanzmitteln und -verbindlichkeiten wird fortlaufend überwacht. Liquiditätsrisiken erkennen wir im Rahmen unserer Liquiditätsplanung. Mit unseren guten Ratings sowie den bestehenden Finanzierungsprogrammen verfügen wir über einen guten Kapitalmarktzugang.