GLOBAL VERNETZT
Raum für Ideen

Netzwerke und Knotenpunkte: Wenn vom neuen Bosch-Forschungscampus in Renningen die Rede ist, sind diese Begriffe allgegenwärtig. So sind die dort beheimateten rund 1 700 Beschäftigten der zentralen Forschung und Vorausentwicklung (Corporate Research and Advance Engineering, CR) nicht nur räumlich und technisch optimal miteinander vernetzt. Auch beim Profil des CR-Bereichs innerhalb von Bosch spielt Vernetzung eine zentrale Rolle: CR agiert als Vermittler zwischen der universitären Grundlagenforschung, der anwendungsorientierten Forschung und Vorausentwicklung innerhalb CR und den Produktentwicklungen in den Bosch-Geschäftsbereichen. Die Grenzen verlaufen dabei fließend und werden durch intensive Zusammenarbeit und Vernetzung zunehmend aufgelöst. 

Zu Beginn vieler Innovationen arbeitet CR eng mit Universitäten zusammen, wo oft die Grundlagen für spätere Forschungsinhalte von CR geschaffen werden. Wann eine Technologie von CR aufgegriffen und intensiv vorangetrieben wird, ist auch abhängig von ihrer prognostizierten Marktreife. Innerhalb von fünf bis maximal zehn Jahren sollte ein marktreifes Produkt entstehen und zur Serienreife gebracht werden. 

Im weltweiten Forschungsknotenpunkt Renningen laufen die Erkenntnisse aus zehn weiteren internationalen Standorten des CR-Verbunds zusammen: Bengaluru, Boston, Hildesheim, Moskau, Palo Alto, Pittsburgh, Shanghai, Singapur, St. Petersburg und Tokio. Aufgrund ihrer geografischen Lage stehen einige dieser Standorte in der „Innovationspipeline“ oft an vorderster Stelle im Bosch-Netzwerk. 

Bei den meisten Projekten ist der CR-Bereich eng mit den verschiedenen Geschäftsbereichen von Bosch vernetzt, wo in 25 Ländern weltweit mehr als 54 000 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung tätig sind. Die Initiative für ein Forschungsthema kann sowohl von CR als auch vom Fachbereich ausgehen. Dabei wird häufig nach dem Prinzip des Simultaneous Engineering verfahren, also des gleichzeitigen Arbeitens und Entwickelns innerhalb eines Projekts. Zwei Jahre vor einer möglichen Markteinführung wechselt die Zuständigkeit möglichst vollständig in den betreffenden Geschäftsbereich.  

MEMS: Ein Beispiel für den langen Atem, den es in der Forschung zuweilen braucht, ist die Entwicklung der MEMS-Sensoren, die heute die Basis des Internets der Dinge bilden. Anfang der 1980er Jahre befassen sich Forscher in Stanford, Berkeley und dem MIT erstmals mit den mechanischen Eigenschaften und der Bearbeitung von Silizium – ein Thema, das CR einige Jahre später aufnimmt, um daraus die grundlegenden Prozesse für mikroelektromechanische Systeme (MEMS) zu entwickeln. Zunächst stehen Strukturierungstechniken wie Tiefenätzen von Silizium im Vordergrund. Später geht es vermehrt um Themen wie Tests, Qualität, Design und Simulation. Eng vernetzt ist CR dabei mit dem Geschäftsbereich Automotive Electronics. Dort wird das Thema anwendungsorientiert vorangetrieben, zunächst für die Automobilindustrie (zum Beispiel Drucksensoren für die Motorsteuerung), später auch immer mehr für die Unterhaltungselektronik und das Internet der Dinge.  
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