DIESEL SYSTEMS
Truck unter Druck

Von Toronto nach Texas: mit Bosch-Technik im Frachtraum – und unter der Haube.

Grellorange leuchtet der Turban in den dunklen Himmel über Texas. Eigentlich trägt man hier ja Cowboyhut, aber erstens kennt sich Jaspreet Bola eher mit Pferdestärken als -ställen aus, und zweitens bleibt er ohnehin lieber bei der eigenen Tradition. Es ist acht Uhr morgens, als der junge Sikh aus seinem schweren Truck klettert. Ein Parkplatz kurz vor Dallas, regnerisch und grau, Zeit für einen schnellen Kaffee, eine Cola und einen Burger. Höchstens Hühnchen, auf keinen Fall Rind – auch nicht für Bolas Kopiloten Manjinder Sidhu, ebenfalls ohne Cowboyhut, dafür mit blau-weißer Wollmütze. Die Texas Longhorns, die am Horizont friedlich grasen, haben von diesen beiden nichts zu befürchten.

Bola und Sidhu kommen aus dem Punjab, einer Region im Norden Indiens, leben aber seit Jahren in Kanada. Und fahren als Trucker jede Woche Tausende von Meilen durch die Landschaften Nordamerikas. Tag und Nacht. Einer fährt, der andere schläft. Fast immer die gleiche Strecke, von Toronto, der größten Stadt Kanadas, bis nach Laredo, ganz im Süden der Vereinigten Staaten.

Ihr Ziel dort: das Bosch-Lagerhaus, über 11 000 Quadratmeter groß und nur einen Steinwurf von der mexikanischen Grenze entfernt. Der blassgelbe, unscheinbare Bau ist eine der Drehscheiben für die Bosch-Logistik in Nordamerika: Rund 750 000 Paletten werden hier jedes Jahr bewegt, täglich um die 100 Trucks abgefertigt.

„Das geht ganz schnell“, sagt Bola: „Rückwärts an die Rampe, Rohteile raus, fertige Komponenten rein, nach einer Stunde geht’s weiter.“ Auch dieses Mal bringen Bola und Sidhu Bolzen und Muttern, Plastikteile und Dichtungen aus den USA und Kanada nach Laredo. Dort werden solche und ähnliche Komponenten für den Weitertransport in die mexikanischen Bosch-Werke zusammengestellt – und in der Regel innerhalb von 24 Stunden verladen. Bola und Sidhu wiederum haben auf der Rückfahrt Richtung Norden die fertigen Produkte aus Toluca, San Luis Potosí oder Aguascalientes an Bord: Zündspulen oder Wischersysteme, Bremskomponenten, Sensoren und vieles andere – für die großen Autobauer in Detroit und Umgebung.

Mit Mütze und Turban im Land der Cowboyhüte: die beiden Trucker Jaspreet Bola und ...

... Manjinder Sidhu

Jaspreet Bola putzt die Scheinwerfer beim Zwischenstopp in Missouri.

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„Jeder Liter weniger ist willkommen.“
Jaspreet Bola

Bosch-Technik findet sich aber nicht nur im Frachtraum der beiden Trucker, sondern auch unter der langen Motorhaube ihres Freightliner Cascadia Evolution. Dort sorgt ein Detroit-DD15-Motor für den nötigen Antrieb, mit sechs Zylindern, rund 500 PS, knapp 15 Litern Hubraum – und dem hocheffizienten Common-Rail-Einspritzsystem CRSN4 von Bosch: Hochdruckpumpe und Rail kommen aus dem Werk Jihlava in Tschechien, der extrem präzise arbeitende Injektor aus dem deutschen Werk in Homburg. „Der Freightliner zieht gut, verbraucht weniger als andere und ist angenehm leise“, sagt Manjinder Sidhu.

Die Pumpe sorgt für einen Systemdruck von bis zu 1 200 bar, der Injektor verfügt über einen integrierten hydraulischen Übersetzer, der den maximalen Einspritzdruck noch einmal mehr als verdoppelt. Die Folge: Der Motor verbrennt sparsam, effizient – und sorgt für den richtigen Schub im richtigen Moment. Nicht nur im Cascadia, sondern in Millionen von Nutzfahrzeugen in Nordamerika und im Rest der Welt.

Das alles ist auf dem pfützennassen Parkplatz in Texas allerdings gerade kein Thema: Bola und Sidhu rechnen lieber aus, wie lange sie noch bis Laredo brauchen – und vor allem, ob sie rechtzeitig zu Diwali, dem indischen Lichterfest, wieder zurück in Toronto sind. Rund zwei Drittel der Fahrt liegen hinter ihnen. 

„Wir rechnen mit ungefähr 34 Stunden pro Strecke“, sagt Sidhu. Staus gibt es selten, getankt wird nur einmal, und die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen sind bei zwei Fahrern nicht allzu lang.

Die Strecke kennen sie längst auswendig: 2 948 Kilometer durch den südlichsten Zipfel Kanadas, über die US-Grenze bei Detroit, durch die Industrielandschaften von Michigan und Ohio, quer durch die Felder und Wälder Indianas und Illinois’, über den Mississippi nach Missouri, und wenn dann irgendwann der Himmel weiter und das Licht fahler wird, wenn im Radio das Banjo die Gitarre ablöst, dann ist der Süden erreicht, welcome to Texas. Kanada ist jetzt weit weg.





Amerikanischer Antrieb

Der Dieselmotor des Freightliners läuft mit Bosch-Einspritztechnik. Das Common-Rail-System CRSN4 sorgt für optimale Leistung, niedrigen Verbrauch und geringe Emissionen.

Schwer automatisiert

Irgendwann werden auch schwere Nutzfahrzeuge weitgehend automatisiert und vernetzt fahren. Auf dem Weg dahin kommt der Lenkung eine besondere Bedeutung zu. Die Robert Bosch Automotive Steering GmbH, der weltweit größte Hersteller von Servolenksystemen, fertigt bereits jetzt mit der Servotwin® das erste integrierte elektrohydraulische Lenksystem für schwere Nutzfahrzeuge (im hier beschriebenen Freightliner nicht verbaut). Das Lenksystem ermöglicht präzise Lenkaktivitäten bei hohem Tempo und zugleich ein komfortables Manövrieren des Nutzfahrzeugs bei niedriger Geschwindigkeit. In der weiteren Entwicklung wird die Servotwin® viele Assistenzfunktionen, die sich im Pkw bereits bewährt haben, erstmals im Nutzfahrzeug ermöglichen. Dazu gehören etwa korrektive Lenkeingriffe, falls das Fahrzeug unbeabsichtigt von der Spur abkommt, oder auch eine Staufolgefunktion, die den Fahrer erheblich entlastet. Ebenfalls möglich: eine Assistenzfunktion, die bei plötzlich auftretenden Windkräften die notwendige Lenkkorrektur erkennt und über den Elektromotor einleitet.

Das Cockpit von morgen

Entlastung für den Fahrer und die Umwelt

1
Digitaler Außenspiegel

Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs – denn es gibt keine großflächigen Außenspiegel mehr, die den Windwiderstand erhöhen. Außerdem hat der Fahrer eine deutlich bessere Sicht auf Gefahren, auch bei Nacht.

2
FPK – Frei programmierbares Kombiinstrument

Die Zeiten starrer mechanischer Instrumente sind vorbei. Das Display wird anpassbar an die Verkehrssituationen oder die Bedürfnisse des Fahrers und der Hersteller. Die extrem hohe Auflösung ermöglicht die genauere Darstellung von Informationen für den Fahrer.

3
Display Unit

Die Display Unit ist die zentrale Bedienoberfläche für Navigation und Entertainment. Der Fahrer kann sein Smartphone direkt verbinden und so eine Vielzahl von Apps direkt über den Touchscreen im Truck bedienen. Das Design und Bedienkonzept auf dem Fahrzeugdisplay ist auf die Fahrsituation angepasst.

Wird das nicht langweilig? Immer die gleichen Highways, die gleichen Tankstellen? Bola lacht. „Kommt drauf an, ob man sich auf etwas freuen kann“, meint er. Er kann, träumt vom Häuschen in einem Vorort von Toronto, davon, seine Freundin zu heiraten. Dafür spart er, legt regelmäßig Geld beiseite.

Er und Sidhu gehören zu der großen Gruppe indischstämmiger Trucker, die für kanadische Speditionen unterwegs sind. „Wir Sikhs gelten als ehrlich und zuverlässig“, sagt Kashmir Singh, ein Kollege von Bola und Sidhu. Singh fährt seit vielen Jahren quer durch Nordamerika, war schon in allen 48 Festlandsstaaten der USA. Inzwischen arbeitet er auf eigene Rechnung, sein Truck gehört ihm, auch wenn an der Seite das Logo von Gigg Express klebt, der Firma, für die die drei Fahrer derzeit unterwegs sind. Bezahlt wird nach Meilen, der Dieselpreis macht sich deshalb bei den selbstständigen Fahrern sofort bemerkbar. Jeder Preissprung rückt Bolas Eigenheim ein paar Monate weiter in die Zukunft. 

Sparsame Motoren sind also gefragt. Auch deshalb hat sich Bolas Bruder, dem der Truck gehört, für den Freightliner entschieden. Denn der hat nicht nur moderne Dieseltechnik an Bord, sondern auch ein intelligentes Assistenzsystem aus dem Bosch-Geschäftsbereich Car Multimedia, die Eco.Logic motion. Das System nutzt eine digitale Karte und weiß schon lange vor dem Fahrer, ob es bergauf oder bergab geht, ob eine Kurve kommt oder eine lange Gerade. Und weil das System auch die aktuelle Geschwindigkeit und den eingelegten Gang erkennt, kann es zusammen mit dem Automatikgetriebe vorausschauend beschleunigen oder unnötiges Schalten vermeiden – ganz ohne Zutun des Fahrers. Einsparpotenzial der Eco.Logic motion: bis zu fünf Prozent Kraftstoff. „Jeder Liter weniger ist willkommen“, sagt Jaspreet Bola, während er gerade irgendwo im tiefen Missouri für ein paar Hundert Dollar tankt. Der Diesel, da sind sich alle Fahrer einig, wird auf absehbare Zeit der wichtigste Antrieb im Transportgeschäft bleiben. Umso wichtiger also, den Verbrennungsmotor weiter zu verbessern, ihn noch effizienter, sauberer und kostengünstiger zu machen. Bosch arbeitet intensiv daran. Damit Singh, Sidhu und Millionen anderer Trucker seltener tanken müssen. Damit die Umwelt weniger belastet wird. Und damit Jaspreet Bolas Traum von Hochzeit und Häuschen vielleicht ein bisschen früher wahr wird …